"Es gibt
keine kritische Islamforschung mehr an den Universitäten in Deutschland", sagt die Ethnologin Susanne Schröter im
NZZ-Gespräch mit Len Sander. Hintergrund: Das von ihr geleitete Forschungszentrum Globaler Islam an der Goethe-Universität Frankfurt soll mit ihrer Emeritierung ebenfalls abgewickelt werden. Der Universität wirft sie
mangelnde Rückendeckung vor: "Neben ihr und den von ihr betreuten Doktoranden seien es zunehmend ehrenamtliche Mitarbeiter gewesen, die Konferenzen organisiert und für das Zentrum gearbeitet hätten, erzählt Schröter. Zudem habe die Universität Schröters wichtigsten Mitarbeiter auf eine andere Stelle versetzt, erklärt sie, da er Angestellter der Universität gewesen sei. Gleichzeitig hatte sich die Bedrohungslage verschärft. Schröter spricht von einem '
Klima der Anfeindungen'. Weil sich das Zentrum keinen Sicherheitsdienst leisten konnte und Störungen vermeiden wollte, wurde seine letzte, internationale Konferenz Ende August dieses Jahres gar nicht erst öffentlich beworben. Das Universitätspräsidium wehrt sich gegen den Vorwurf, es habe das FFGI nicht ausreichend gegen Anfeindungen geschützt. Man habe sich 'stets für die Wissenschaftsfreiheit und gegen Boykottaufrufe positioniert', erklärt ein Pressesprecher. Jedoch müssten Wissenschafter auch
verantwortungsvoll mit dieser Freiheit umgehen. Der Tenor: Protest gegen Veranstaltungen müsse man aushalten."
Auch in Frankreich sorgt ein
Israelboykott-Skandal für Empörung. Einige eingeladene Wissenschaftler weigern sich an einem
Kolloquium des Pariser Musée d'Art et d'Histoire du Judaïsme über die Geschichte der Juden in Paris teilzunehmen, weil Teilnehmer aus
israelischen Universitäten anreisen. Die Reaktion in Frankreich ist recht dezidiert, auch Kulturministerin Rachida Dati äußerte sich in wünschenswerter Klarheit,
berichtet Baudouin Eschapasse in
Le Point: "Die fünf Forscher bereiten ihrerseits die Veröffentlichung einer Erklärung vor, um ihre Abwesenheit bei diesem Kolloquium zu rechtfertigen. Darin werden sie wiederholen, dass die Unterstützung dieser beiden Tage des Austauschs durch eine
öffentliche israelische Einrichtung, in diesem Fall die Hebräische Universität Jerusalem, für sie ein Ausschlusskriterium darstellt. Ein Argument, das für die Organisatoren dieses Kolloquiums
nicht akzeptabel ist. Sie betonen, dass es unfair sei, israelische Wissenschaftler mit ihrer Regierung in Verbindung zu bringen, da sie die ersten seien, die die Handlungen ihrer Führer kritisieren."