Ob man als Baby von neuen Erfahrungen überflutet wird, als Pubertierender vielen neuen Verwirrungen ausgesetzt oder durch seine eigenen sexuellen Phantasien als Erwachsener irritiert ist - die Verrücktheit scheint überall zu lauern und gleichzeitig ein völlig "normaler" menschlicher Zustand zu sein. In unserer Leistungsgesellschaft nehmen psychische Krankheiten zu, wo doch das "Normalsein" gefordert ist. Die Verrücktheit umgibt - wenngleich sie letztendlich oft destruktiv wirkt - ein Hauch von Glamour, in ihrer Begleitung finden sich oft Begriffe wie Genie, Kreativität und Individualität. Der Begriff Gesundheit jedoch verwirrt. Was ist (seelische) Gesundheit, was macht sie aus? Wann sind wir "gesund" und "normal"? Adam Phillips sucht und findet Antworten auf diese Fragen, die überraschen und zum Nachdenken anregen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2008
Wunschlos glücklich ist der Rezensent nicht mit diesem Buch. Was seelisch gesund ist und was nicht, wollte Eberhard Rathgeb hier erfahren. Stattdessen bombardiert ihn der Psychoanalytiker Adam Phillips erst einmal mit allerhand "polemischen Rekursen" auf Theorien des Wahnsinns von Foucault u. a. Wenn es im weiteren um die Sexualität von Heranwachsenden geht, sieht sich Rathgeb mit irritierenden, auf Lockerheit bedachten Sätzen des Autors konfrontiert, der ihm bald vorkommt wie ein Passagier auf einem schaukelnden Schiff, der sich von einem Halt, also von einer Beschreibung seelischer Versehrtheit (Autismus, Depression) zur nächsten (Schizophrenie) hangelt. Die Rathgeb auf den Nägeln brennende Frage, inwieweit die ganz reale Realität (nicht die der Psychoanalyse) unser seelisches Wohlbefinden beeinflusst und wie wir damit umzugehen hätten, wird hier zum (seelischen) Leidwesen des Rezensenten nicht beantwortet.
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