Aus dem Französischen von Frank Ruda und Jan Völker. Heute gilt: der Kommunismus ist gescheitert und die parlamentarisch organisierte Demokratie im Verbund mit dem zeitgenössischen Kapitalismus ist die einzige und zugleich beste Wahl, die wir haben. Badiou setzt dagegen die Frage, ob wir uns heute nicht in einer vergleichbaren Situation wie der junge Marx um 1840 befinden, einer ähnlichen Ausweglosigkeit gegenüberstehen? Sollten wir nicht, wie Marx, in Zeiten der Unmöglichkeit gerade das Unmögliche affirmieren und der kommunistischen Hypothese, diesem Namen eines weiterhin bestehenden Problems, den Versuch einer neuen Lösung wiederfahren lassen? Müssen wir nicht folglich die Unmöglichkeit kommunistisch-emanzipatorischer Politik fundamental neu denken um Schritt für Schritt die Wahrheit der kommunistischen Hypothese zu belegen?
So richtig deutlich möchte Johannes Thumfart es letztendlich doch nicht sagen, aber mitunter hat er sich schon an den Kopf gefasst angesichts der Thesen, mit denen der Modedenker Alain Badiou auf ein dankbares Publikum stößt. Thumfart vermutet, dass es gerade Dogmatismus, Pathos und Strenge sind, die Badiou beim jungen Hipster-Publikum so beliebt machen, der Rezensent findet dies eher unterkomplex und populistisch. Den Kommunismus als "Politik der Wahrheit" möchte der früher eiserne Maoist also retten, wobei er laut Thumfart inzwischen nicht mehr an die Spontaneität der Massen glaubt. Im Gegenteil verabschiedet er jetzt das Konzept der Mehrheit als ein "Dispositiv zur Unterdrückung von Bewegungen, Neuheiten und Brüchen", setzt dagegen aber nicht nur die Avantgarde, sondern auch den Personenkult. Badious Flirt mit dem Stalinismus erschreckt Thumfart gehörig: "Die Verurteilung des Personenkults Stalins durch Chruschtschow war unangebracht und annoncierte, unter dem Deckmantel der Demokratie, den Niedergang der Idee des Kommunismus", zitiert er Badiou. Dazu passen Thumfarts Meinung nach die Selbstgefälligkeit und "museale Talarmentalität", die der 74-Jährige an den Tag lege.
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