Aus dem Englischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Simon Critchley stellt sich unser aller trostloser Zeitgenossenschaft. Der nicht endende Krieg "gegen den Terror", die Korrosion politischer Strukturen, die Politik und das Management der Angst in den westlichen Gesellschaften haben zu einer massiven Enttäuschung und Mutlosigkeit in Bezug auf die Demokratie geführt. Und noch vor einigen Jahren war undenkbar, was heute an der Tagesordnung ist: dass sich gesellschaftliche Debatten um die Legitimität der Folter auf ein ethisches Gebot des Handelns stützen, und zwar auf das Gebot eines allerorten auftrumpfenden, seelenlosen Pragmatismus. Um dieser Situation zu begegnen, legt Critchley die Grundlagen für eine Theorie ethischer Erfahrung: das unverhandelbare Bekenntnis zu ethischer Verantwortung. Seine Untersuchungen des Problems der Ethik bei Kant, Levinas, Badiou und Lacan führen Critchley zu einer Konzeption von Subjektivität, die auf der uneingeschränkten Verpflichtung einer ethischen Forderung gründet. Am Schluss seines Essays tritt Critchley aus der Deckung mit einem Plädoyer für einen fundamentalen Anarchismus als ethische Praxis - und als neu zu begründendes Mittel radikaler Politik und politischer Organisation.
Johannes Thumfart begrüßt Simon Critchleys Plädoyer für eine "Ethik der Verpflichtung" und eine "Politik des Widerstands". Die Intention des Philosophen erblickt er in einer praktischen zeitgenössischen Ethik jenseits der in den letzten Jahren verhandelten Wiederkehr des Religiösen. Die bekannte These, die Enttäuschung über säkulare Werte, Demokratie und Freiheit habe zu einer Widerkehr des Religiösen geführt, sieht Thumfart von Critchley auf interessante Weise modifiziert, sei diese Entwicklung doch weniger Ausdruck einer konkreten historischen Situation, sondern ein genuin philosophisches Problem: der mangelnden Motivation zum ethischen Handeln. Diesen Motivationsmangel führe der Autor auf die ethische Überforderung des moralischen Subjekts zurück, sehe in ihr aber zugleich die Möglichkeit, zu einer illusionslosen interpersonalen Ethik zu gelangen.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…