Aus dem Französischen von Martin Born. In "Logik der Revolte" sucht Alain Badiou Auswege aus dem zeitgenössischen Nihilismus. Er demonstriert, wie es möglich ist, sich von der kapitalistischen Logik zu lösen, die unter dem Deckmantel der parlamentarischen Demokratie die Gegenwart beherrscht. Was kann der Einzelne tun, um sich von der nihilistischen Ideologie zu befreien und zur Errichtung einer neuen und gerechteren Welt beizutragen? Der Nihilismus versperrt nicht nur den Zugang zu den emanzipativen Errungenschaften der Vergangenheit, sondern verhindert auch den Entwurf einer konsistenten Zukunft. Dadurch schließt er die subjektlosen Individuen in die leere Geschäftigkeit einer gegenwartslosen Zeit ein. Deswegen ist es notwendig, eine wahre Gegenwart zu deklarieren: eine Gegenwart, die ihre Vergangenheit durchdringt, um aus ihr eine Zukunftsperspektive zu entwerfen. Der Weg aus dem Nihilismus und hin zu einer neuen Gegenwart verläuft über vier mögliche Zugangsweisen zu den Formen der Wahrheit: die künstlerische Anschauung, den mathematischen Beweis, die politische Tat und die leidenschaftliche Liebe.
Bei Alain Badiou scheinen die "Schnittmengen der fundamentalen Systemkritiken der extremen Linken und Rechten" auf, schreibt Rezensent Cornelius Wüllenkemper, leider ohne genauer zu erläutern, worauf das hinausführt. Von der extremen Rechten unterscheidet Badiou für den Rezensenten, dass es ihm um Dinge wie "selbstlose Liebe" gehe, was man von den Rechten nicht behaupten könne. Badiou wendet sich auch gegen Herrschaftssysteme, nicht gegen Gruppen von Menschen, versichert Wüllenkemper, obwohl die von Badious vermissten Vorgänger in dieser Frage anders verfuhren. Mit den Rechten teilt der französische Philosoph laut Rezensent auf jeden Fall den Antiamerikanismus und die Kritik an einer Gegenwart, der es nur um Austausch geht. Darum ist er auch mit den gegenwärtig Revoltierenden unzufrieden, so der Rezensent. Den "Gelbwesten" etwa gehe es laut Badiou nur um Anschluss an die schnöde Warenwelt. Badious Ausführungen nennt Wüllenkemper im Duktus akademisch, inhaltlich aber anregend.
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