Die Geschichte der Juden in Deutschland war seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert eine Erfolgsgeschichte und verlief über viele Jahrzehnte simultan mit der der Deutschen selbst. Die allmähliche Entkonfessionalisierung des Staats- und Gesellschaftslebens hatte eine generelle Gleichberechtigung der Juden möglich gemacht und ihnen den - dennoch nie ganz einfachen - Weg in die Moderne geebnet. In vierzehn Kapiteln schildert Albert Bruer diese Erfolgsgeschichte und wie sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu Ende ging, als im Zuge der Weltwirtschaftskrise ein neuartiger Antisemitismus entstand, der ein Zusammenleben zwischen Deutschen und Juden heftiger als je zuvor ablehnte. Dieser Antisemitismus nahm während und erst recht nach Ende des Ersten Weltkriegs, als man den Juden die Verantwortung für die deutsche Niederlage zuschrieb, an Vehemenz ständig zu und machte ihre Existenz in Deutschland prekär. Die Nationalsozialisten und das Dritte Reich wurden schließlich seine grausamen Vollstrecker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2006
Ziemlich unausgegoren findet Rezensent Caspar Hirschi diese Arbeit über die "Geschichte der Juden in Deutschland 1750-1918" von Albert Bruer. Er bescheinigt dem Autor zwar, Unmengen an - auch aussagekräftigem - Material anzuhäufen. Mit der Herstellung eines Zusammenhang aber ist es seines Erachtens nicht weit her. Eher hat er den Eindruck eines chaotischen Durcheinanders. Schwerwiegender aber ist ein anderer Kritikpunkt Hirschis: die Arbeit befasst sich - anders als der Titel verspricht - weniger mit dem deutschen Judentum als mit den Vorstellungen, die bei deutschen Christen davon herumgeisterten.
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