Herausgegeben von Judith Schalansky. Aus dem Amerikanischen von Jürgen Brôcan. Der hier erstmals vollständig übersetzte und um die wichtigsten Essays ergänzte Almanach des Pioniers des ökologischen Denkens zählt zu den wirkmächtigsten Schriften über die Folgen des menschlichen Eingriffs in das komplexe Zusammenspiel der Wildnis. Als in den 30er-Jahren auch die bisher größte Dürre in den Great Plains nicht zu einem Umdenken in den USA führt, bricht Aldo Leopold nach Deutschland auf, um im Land seiner Vorfahren Anregungen für eine nachhaltige Forstwirtschaft zu bekommen. Begeistert von den dort entwickelten Ideen, wie der des "Dauerwalds", versucht er nach seiner Rückkehr deren Umsetzung und beginnt mit der Renaturierung des Geländes rund um eine verlassene Farm mit ausgemergeltem Boden am Wisconsin River in Sand County. Seinen Aufzeichnungen über die sich von Monat zu Monat wandelnde Landschaft folgen kurze Prosatexte, die er während seiner über 40 Jahre währenden Forschungen in den Wäldern von Arizona, Oregon und Manitoba verfasst hatte. Seine heute noch drängenden philosophischen Fragen zum Naturschutz beschließen diese so eigenwillige wie prophetische Naturethik eines sich zeitlebens für die Erhaltung von Wildnisgebieten einsetzenden Visionärs.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2020
Auch wenn Rezensent Thomas Weber weiß, dass Umweltethik wie die des US-Umweltpioniers Aldo Leopold keine einfachen Lösungen parat hat, scheint er ganz verliebt in das Buch. Allein die Naturschilderungen aus den 40er Jahren, die von Skunks im Schnee, aus dem Leben der Eiche oder über Überweidung und Bodenerosion berichten, machen die Lektüre für Weber reizvoll. Dass der Autor sich gern "außerhalb konventioneller Heuristiken" bewegte, bezeugen Weber die ebenfalls im Band enthaltenen Essays. Das 1949 erstmals erschienene Buch in der "hervorragenden" Übersetzung von Jürgen Brocan scheint ihm weiterhin aktuell zu sein.
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