Aldous Huxley

Zeit der Oligarchen

Über Wissenschaft, Freiheit und Frieden
Cover: Zeit der Oligarchen
Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN 9783446287235
Gebunden, 96 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer. Mit gespenstischer Klarsicht nahm Aldous Huxley schon 1946 unsere Gegenwart vorweg: Durch technologischen Fortschritt konzentriert sich politische Macht plötzlich in den Händen weniger. In Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs haben Nationalismus und geopolitische Machtspiele Hochkonjunktur, während Demokratie und Solidarität leiden. Stilistisch brillant beschreibt Aldous Huxley das aufziehende Zeitalter einer Tech-Oligarchie - einer Welt, in der Boy Gangster in den Regierungen sitzen und das Recht des Stärkeren die Freiheit aller bedroht. Huxleys prophetische Intervention war 80 Jahre lang verschollen. Heute trifft sie mitten ins Mark.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.12.2025

Interessiert bespricht Rezensent Thomas Ribi diese Wiederveröffentlichung eines Aufsatzes von Aldous Huxley, der als politischer Denker möglicherweise talentierter war denn als Romanautor. Wobei Ribi zufolge einiges an dieser unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs verfassten Schrift an Huxleys berühmtestes Werk "Schöne neue Welt" erinnert. Im vorliegenden Werk warnt Huxley, so Ribi, vor allem vor einer Machtkonzentration, der nicht nur politische Zentralisierung sowohl im kapitalistischen als auch im sozialistischen Block zuarbeiten, sondern auch Wirtschaft, Medien und Wissenschaft zuarbeiten - die Hoffnung, dass die Alphabetisierung zu mehr Mündigkeit führt, hat sich für Huxley etwa ganz und gar nicht erfüllt, ganz im Gegenteil sind Medien mehr und mehr Sprachrohre der Mächtigen. Was also tun? Huxley setzt, erfahren wir von Ribi, auf Dezentralisierung und auf erneuerbare Energien, was die Menschen von ungleich verteilten Rohstoffen wie vor allem Erdöl unabhängig machen würde. Ribi kann tendenziell mit der Problemanalyse des Autoren mehr anfangen als mit den Lösungsvorschlägen und spekuliert am Ende der insgesamt durchaus positiven Besprechung, dass Huxley heute womöglich ein Fan der Letzten Generation wäre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025

Rezensent Oliver Weber sieht in der Veröffentlichung von Aldous Huxleys Essay "Zeit der Oligarchen" mehr als nur einen publizistischen Coup. Huxley schrieb den Essay 1946, ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges, wie Weber betont, der diesen historischen Kontext nicht so unbedeutend findet, wie der Verlag ihm zufolge glauben machen möchte. Dennoch kann er Huylexs Gedanken über die Tendenz der modernen Gesellschaft zur Oligarchie einiges abgewinnen. Denn gerade die moderne, arbeitsteilige Abhängigkeit aller von allen habe zur Bildung großer Organisationen oder Konzerne geführt, die diese Kooperation steuern, fasst Weber Huxleys Gedanken zusammen. Dass Huxley dazu aufruft, sich etwa durch Genossenschaften oder Selbstständigkeit wieder Besitz und Verfügungsmacht anzueignen, erscheint dem Rezensenten überdies bedenkenswert. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.11.2025

Da hat Aldous Huxley doch tatsächlich, staunt Rezensent Gustav Seibt, bereits im Jahr 1945 die Notwendigkeit der Energiewende erkannt. Dabei ist der Ausgangspunkt dieses nicht allzu umfangreichen Essays nicht Ökologie, sondern Machtkritik. Genauer gesagt kritisiert Huxley im Angesicht des gerade zu Ende gegangenen Zweiten Weltkriegs die Konzentration von Macht in den Händen weniger, wobei er vor allem an staatliche Macht denkt und wenig Unterschiede findet zwischen kapitalistischer und realsozialistischer Machtpolitik. Staatliche Macht abstrahiert mithilfe von Technikeinsatz vom Menschen, was ihm selbst vorschwebt, ist eine dezentrierte Ordnung, die auf lokaler Selbstverwaltung basiert. Und eben auch auf dezentraler Energiegewinnung, resümiert Seibt, die nicht mehr auf Erdöl basiert, sondern auf Wind- und Sonnenkraft. Erstaunlich anschlussfähig ist diese prophetische Schrift auch an zeitgenössische Denkerinnen wie Judith Shklar, meint Seibt, der Huxleys Zukunftsvision auch 70 Jahre nach ihrem Erscheinen noch für einen großen Wurf hält.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.11.2025

Rezensentin Susanne Billig kann nicht fassen, dass Aldous Huxley dieses vergessene Buch bereits 1946 verfasst hat. Zu gut passt Huxleys Analyse ungleicher Machtverteilung und ihrer Festigung durch technischen Fortschritt in unsere Zeit. Wie Wissenschaft und (militärische wie mediale) Technik unter den Bedingungen ungleich verteilter politischer Macht bloß zum Machterhalt beiträgt, nicht zur Freiheit, erklärt der Autor laut Billig  auf frappante Weise. Was bei Huxley der Rundfunk war, ist heute das Internet, stellt sie fest. Huxleys Lösungsvorschläge erscheinen ihr radikal und realistisch zugleich: Dezentralisierung hilft! Und die Prinzipien eines "rechten Lebenserwerbs".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 20.11.2025

Einen "Aufruf zu Wachsamkeit und Engagement" sieht Michael Meyer in diesem knappen, aber fruchtbaren Essay von Aldous Huxley. In seiner gesellschaftskritischen Schrift prangert Huxley den Nationalismus und eine "zentralisierte Industrie" an, die Krieg und soziale Ungleichheit fördert. Huxley ist nicht per se fortschrittskritisch, versichert Meyer, aber gerade in Anbetracht des historischen Kontextes ist seine Skepsis vor dem technologischen Fortschritt durchaus verständlich und nach wie vor relevant. Huxley Gegenentwurf basiert zum einen auf einer Vorstellung von "menschlicher Erleuchtung und eines Dazu-Lernens" des Menschen, zum anderen auf einer strikten staatlichen "Dezentralisierung", die der Autor als Voraussetzung für Frieden und Sicherheit versteht. Immer wieder komme er auf die Kritik an Wissenschaftlern zurück, erklärt Meyer, die ihre Fähigkeiten nicht für zerstörerische Zwecke einsetzen sollten. Eine manchmal etwas "plakative", gleichzeitig aber hochspannende und zudem aktuelle Reflexion über das Verhältnis von "Freiheit, Macht und Technologie", die der Kritiker auch für den Blick auf heutige Verhältnisse empfiehlt.

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