Mit dieser Sammlung von neuen Geschichten setzt Alexander Kluge seine Chronik der Gefühle fort. Erzählte diese in "Lebensläufen" und "Basisgeschichten" von den Erfahrungen und vor allem den Gefühlen, mit denen wir auf Zeit, Epoche und deren Brüche reagieren, so führt das neue Buch in die Bedrohlichkeitsstruktur der Realität selbst. Stichworte wie Revolution, Holocaust, Weltkrieg, Tschnernobyl, 11. September oder Irakkrise bezeichnen einige der unheimlichsten Komplexe einer scheinbar kompakten, undurchdringlich-übermächtigen Wirklichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.11.2003
Auch Alexander Kluge weiß nicht weiter, ist Martin Lüdke nach der Lektüre der "Lücke, die der Teufel lässt" klar geworden. Die große Sammlung von etwa 500 Geschichten sei aber Zeugnis dafür, dass Kluge unermüdlich immer weiter suche und damit zum "Glücksfall für unsere Literatur" werde. Die versammelten Stücke, die Lüdke beizeiten an die Essais von Montaigne erinnern, handeln von Katastrophen und Schlachten, von Heinrich von Kleist, von Krieg, Schicksal und Sachverhalten, kurz: "Kein Stoff, der nicht in Frage käme". Mit dieser Vielfalt will Kluge in erster Linie die "Präsenz des Bösen in der Gegenwart" zeigen, wie Lüdke vermutet. Mit literarischen Mitteln - die Trennung von Wirklichkeit und Fiktion spielt "keine Rolle", "hemmungslos und hingebungsvoll" werden Interviews und Zitate erfunden - komme Kluge zu einer Schlussfolgerung: dass sich das 20. Jahrhundert mit dem Mauerfall 1989 doch nicht zum Guten gewendet hat und für den Teufel immer eine "Lücke" frei bleibt. Leider, schreibt der Rezensent, erschließt sich dieser Subkontext nicht aus den Geschichten selbst, ein mit Kluge nicht vertrauter Leser könnte die Anordnung der Stücke auch für beliebig halten.
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