"Der Antisemitismus ist der Weltanschauung der Arbeiterschaft fremd", verkündete einst DDR-Volkskammer-Präsident Horst Sindermann. Für die SED gab es in der DDR offiziell keinen Antisemitismus. Doch welche Folgen hatte diese politische Prämisse für Juden in der DDR?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2016
Rezensentin Andrea Hopp liest den von Andreas H. Apelt und Maria Hufenreuter herausgegebenen Konferenz-Sammelband mit Beiträgen zur Judenfeindschaft in der DDR mit großem Interesse. Die Beiträge befassen sich laut Hopp mit den Effekten der SED-Geschichtspolitik im Alltag, mit Erinnerungskultur Ost oder dem Antifaschismus-Mythos in der DDR. Jedem Artikel folgt der Abdruck einer Fach-Podiumsdiskussion, erklärt Hopp, sodass insgesamt ein umfassendes Bild entsteht, mit Seitenblicken auf die Entwicklungen in der BRD, wie die Rezensentin schreibt. Wie etwa die westdeutsche juristische Aufarbeitung der NS-Geschichte im Osten blockiert wurde, indem Archivmaterial und Zeugen zurückgehalten wurden, erfährt Hopp aus dem Band. Das "Klima der Angst", welches Künstler zu spüren bekamen, die die Tabuisierung des Schicksals der Judenverfolgung zu thematisieren suchten, wird der Rezensentin ebenfalls deutlich. Wieso das Thema Antisemitismus nach wie vor der Aufmerksamkeit bedarf, wird Hopp mit dieser Lektüre wiederum bewusst.
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