Ann-Kristin Tlusty

Süß

Eine feministische Kritik
Cover: Süß
Hanser Berlin, Berlin 2021
ISBN 9783446271012
Gebunden, 208 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Plötzlich sind alle Feminist*innen. Bloß kann von echter Gleichberechtigung keine Rede sein. Warum wirken überholte Strukturen fort? Wie lassen sie sich abwracken? Ann-Kristin Tlusty betrachtet die inneren und äußeren Zwänge, die das Leben von Frauen auch heute prägen: Noch immer wird ihnen abverlangt, "sanft" die Sorgen und Bedürfnisse der Gesellschaft aufzufangen. Jederzeit sollen sie dabei auf "süße" Weise sexuell verfügbar erscheinen, gern auch unter feministischem Vorzeichen. Und bei alldem angenehm "zart" niemals zu viel Mündigkeit beanspruchen. Klug und persönlich, befreiend und neu: Diese Streitschrift wirbelt die Geschlechterordnung für immer durcheinander.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.2021

Rezensentin Julia Bähr schätzt es zwar, dass die Journalistin Ann-Kristin Tlutsy mit ihrem Buch gegen das "Pfirsich"-Image der Frauen - sanft, süß, zart, so Tlutsys Kategorisierung im Buch - anschreibe, findet ihre Ausführungen aber oft zu einseitig. So hält sie beispielsweise Tlutsys Behauptung, das "Ja heißt ja"-Konzept würde binäre Rollenmuster fortschreiben, für zu kurz gedacht und die affirmativen Überlegungen der Autorin zu einem "Vielleicht" für falsch, denn "vielleicht" heißt für die Kritikerin ganz klar "nein". Interessanter findet sie da die Stellen zu Beate Zschäpe, die von der Presse zunächst als "unschuldige Frau" rezipiert worden sei. Denn hier wird für Bähr ein anderer Aspekt der Problematik aufgeworfen, der der gesamten Gesellschaft schadet, nämlich, dass Frauen von diskriminierenden Ansichten auch profitieren können.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2021

Rezensent Niklas Elsenbruch nennt Ann-Kristin Tlustys "Süß" eine gelungene "psychosoziale Typologie sexistischer Habitusformen". Was genau heißt das? Mit den erwähnten sexistischen Habitusformen meint der Rezensent die drei von Tlusty herausgearbeiteten weiblichen Rollenbilder: Die Sanfte, die Süße und die Zarte. Diese Figuren verwendet die Autorin, um gesellschaftliche Missstände wie durch ein Vergrößerungsglas scharf und konkret in den Blick zu nehmen, lesen wir. Ihre Beobachtungen sind teilweise persönlicher Art, teilweise auf statistischen Fakten beruhend und zeichnen sich stets durch geschichtliche Differenziertheit und philosophisches Feingefühl aus, lobt Elsenbruch. Wie bestimmte Rollenbilder und damit verbundene Zuschreibungen wiederum mit der immer noch weit klaffende Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zusammenhängen, mag recht eindeutig sein, meint der Rezensent. Wirklich interessant wird es, wenn Tlusty mithilfe des Begriffs des Phantombesitzes erklärt, weshalb solche vermeintlich überwundenen Rollenbilder auch heute noch, oft unbemerkt wirksam sind. Die Lösung sieht die Autorin nicht im populären Girl-Boss-Feminismus, was sie gut begründet, so Elsenbruch, sondern in der Eroberung des Raums zwischen Selbstbestimmung und positiver Abhängigkeit.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.11.2021

Rezensentin Susanne Billig empfiehlt das Buch der Kulturwissenschaftlerin Ann-Kristin Tlusty zum besseren Verständnis des Bildes von der "süßen Frau", aber auch Konzepte wie des "Potenzfeminismus". Beides erläutert die Autorin laut Billig mit prallem "Literaturkoffer", mit Blick auf Kinofilme, auf ihr eigenes privates Umfeld und auf aktuelle Theorie. Dass die Autorin keinen "modischen Jargon" pflegt, wenn sie gegen die Dominanzkultur eine Kultur der Wärme und eines neuen "ökonomischen Miteinanders" propagiert, gefällt Billig außerdem gut.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.10.2021

Rezensentin Katrin Gottschalk findet in Ann-Kristin Tlustys "Süß" ab und zu doch ein paar Widersprüche. Die Journalistin stellt in diesem Buch mit dem eher vagen Titel nicht nur die verschiedenen Kategorien vor, in die Frauen in dieser Gesellschaft eingeteilt werden, sondern kritisiert den karriereorientierten Feminismus und legt als Lösungsvorschlag ihre Utopie einer sanften "Care-Gesellschaft" dar, erklärt Gottschalk. Ein wenig widersprüchlich sei es ja schon, dass die Autorin einerseits zu Beginn des Buches ihre Wut äußert, um im Anschluss allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen zu wollen, findet die Rezensentin. Und auch, wenn einige ihrer Fragen unbeantwortet bleiben, sei das Buch Gottschalk zufolge gelungen formuliert.

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