Aus dem Spanischen von Susanna Mende. In diesem Epos einer Familie blickt die achtzigjährige Agata zurück auf die Zeit in ihrer Heimat - auf die Zeit, bevor sie mit ihrer Familie von einer kleinen italienischen Stadt am Lago Maggiore in die "Neue Welt", nach Argentinien, aufbricht. Agata erzählt von ihrer Kindheit in ärmlichen Verhältnissen, von ihrem Vater, den sie nie hat lachen sehen. Sie erzählt, wie man sie nach dem frühen Tod der Mutter in ein Klosterinternat steckt, wie sie leidet und schließlich zurück nach Hause darf. Sie erzählt von Kinderstreichen, von Freuden und Freundschaften, von ihrer ersten Arbeit in einer Textilfabrik, von Krankheiten und Todesfällen, sie erzählt vom ersten Tanz und wie sie Mario, ihren künftigen Mann, kennen und lieben lernt. Es sind auch die Jahre des faschistischen Regimes, das in der Erzählung ganz allmählich Gestalt annimmt, parallel zur schärfer werdenden Wahrnehmung der Erzählerin.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.12.2008
Antonio Dal Masetto sorgt mit seinem bereits 1990 in Argentinien erschienenen und erst jetzt auf Deutsch vorliegenden Roman für eine Überraschung, die Uwe Stolzmann aber nicht so recht glücklich macht. Der Autor wurde 1938 in Italien geboren und wanderte mit seiner Familie nach dem Zweiten Weltkrieg nach Argentinien aus, teilt der Rezensent mit. Er ist vor allem als Verfasser von sozialkritischen und politischen Krimis bekannt, das vorliegende Werk aber stellt uns die alte Agata vor, die sich an ihr Leben am Lago Maggiore zurückerinnert, erklärt Stolzmann. Alles andere als eine "Postkartenidylle", reminisziert die alte Frau, die durchaus die Mutter des Autors sein könnte, über eine Kindheit in Armut, harte Arbeit und erste Liebe und erinnert sich an den Einzug des Faschismus, der das Alltagsleben zunehmend verdüstert. Etwas langweilig findet der Rezensent, dass sämtliche Protagonisten zu den antifaschistischen Italienern gehören. Außerdem scheint ihm der ruhige Fluss der Lebenserzählung über "stillen Lesegenuss" und ein nostalgisches "so war das damals" nicht hinauszugehen, was Stolzmann offensichtlich ziemlich unbefriedigend findet.
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