Dieses Buch beschäftigt sich mit verschiedenen Intentionalitaetstheorien, die innerhalb der phaenomenologischen Tradition entstanden sind. Dabei wird dieser Begriff in einem weiten Sinn als Bezeichnung für eine Tradition verstanden, die durch zwei Grundsätze bestimmt ist: Erstens durch die These vom Primat der Beschreibung: Eine genaue Beschreibung unmittelbar präsenter Tatsachen muss der Ausgangspunkt sein für theoretische Überlegungen, in denen diese Tatsachen weiter verarbeitet werden. Dies war die Methode, für die Brentano mit seinem Projekt der deskriptiven Psychologie ein bis heute gültiges Vorbild geschaffen hat. Der zweite Grundsatz ist die These des Primat der mentalen Intentionalität: Die Intentionalität sprachlicher Ausdrücke ist sekundär in Bezug auf die ursprüngliche mentale Intentionalität. Worte besitzen aus der Sicht der Phänomenologie nur deswegen eine Bedeutung, weil sie dazu dienen, psychische Akte auszudrücken, die ihrerseits ihrem Wesen nach intentional sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.04.2005
Der amerikanische Philosoph John Searle soll sich laut Käthe Trettin darüber mokiert haben, dass "Intentionalität" ein ungeschickter Begriff sei, den wir vor allem deutschsprachigen Philosophen zu verdanken hätten. Erstens sei das nicht ganz richtig, entgegnet Trettin, denn schon der Scholastiker Thomas von Aquin hätte ihn angewandt, und zweitens hätte Searle selber ein Buch mit jenem Wort im Titel veröffentlicht. In der Tat waren es aber deutsche Philosophen (Trettin zählt Franz Brentano, Anton Marty, Carl Stumpf, Edmund Husserl auf), die die lateinische Intentionalität wiederentdeckt haben, gibt Trettin zu - sowie die polnischen Philosophen Kazimierz Twardowski und Roman Ingarden. Ihrer aller Einfluss untersucht nun die vergleichende Studie von Arkadiusz Chrudzimski - eine subtile Rekonstruktion der jüngeren Philosophiegeschichte mit Bezug auf sämtliche Intentionalitätstheorien, die in der Nachfolge Franz Brentanos entstanden sind. Intentionalität sei ein komplexer Begriff, warnt die Rezensentin, und vor allem dürfe man ihn nicht für die Eindeutschung des englischen Wortes "intentionality" halten. Viele Argumente, die heute mühsam erarbeitet werden müssten, sind früher mit Leichtigkeit bereits formuliert und debattiert worden, stellt Trettin mit Erstaunen fest.
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