Aus dem Englischen von Silvia Morawetz. Mit beinahe beängstigender Ruhe erzählt Arnost Lustig von den Möglichkeiten der Selbstbehauptung in einer inhumanen Welt. Auschwitz, am Ende des Krieges. Das fünfzehnjährige jüdische Mädchen Hanka Kaudersova ist die letzte Überlebende ihrer Familie. Ihr gelingt es, dem Konzentrationslager zu entkommen. Als Arierin getarnt, gerät sie ins Feldbordell Nr. 232 Ost. Hier muss sie das letzte, was ihr noch geblieben ist, verraten - ihre Identität. Mehr als alles quält sie ihr Gewissen: Wie weit darf man dem Selbsterhaltungstrieb folgen? Muss sie sich nicht selbst verachten für das, was sie zu ertragen bereit ist? Hanka lernt, innerlich zu erkalten und das Intimste, das ein Mensch zu geben hat, seinen Körper, von sich zu trennen. Doch dann taucht ein Offizier der Wehrmacht auf, der ihr vertraut, der ihr von seiner Familie erzählt, von seinen Zweifeln am Krieg. Er kommt ihr näher als jeder andere.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007
Arnost Lustig gebührt das Verdienst, dass er in einem Roman an das Schicksal der so genannten Feldhuren des Zweiten Weltkriegs erinnert, den Opfern eine Stimme gibt und ihnen dabei die "Diskretion" zugesteht, die ihnen die Täter damals geraubt haben, schreibt der sichtlich bewegte Tobias Heyl. Der Autor, 1926 in Prag geboren, erzählt von der Prager Jüdin Hanka, die sich kurz vor Ende des Krieges vor der Vernichtung in Auschwitz in ein Feldbordell rettet, wo sie den Krieg überlebt. Lustig zeichne seine Figuren sehr typisiert, weder Opfer noch Täter bekämen psychologische Kontur, stellt der Rezensent fest. Dagegen erfahren die Dinge, die Toten und Interieurs eine Detaillierung, die einen starken Kontrast zu den Lebenden bilden. Hier erkennt Heyl eine Erzählhaltung, die sich darum bemüht, eine Sprache für die realistisch oder psychologisch nicht mehr greifbaren Grausamkeiten zu finden. Lustig gebe mit dieser Zurückhaltung Frauen wie Hanka die "Würde" zurück, so der Rezensent berührt.
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