Ein jüdisches Schicksal in Deutschland, teils rekonstruiert aus den Archiven, teils berichtet vom einzigen noch lebenden Zeugen. Dr. Hans Kaufmann (1876-1957), Regisseur und Intendant, zählte nicht zu den "Großen" der Theaterszene. Aber er wirkte in einer großen Theaterzeit, und er wusste dies als Leiter mittlerer Bühnen (Braunschweig und Bern) durch Ur- und Erstaufführungen von Dramen und Opern zu nutzen. Ab 1933 erlitt er das Schicksal all derer, die dem NS-Regime als Juden galten, wenn auch in der "milderen" Form eines dreijährigen Aufenthalts in Theresienstadt. Er kehrte krank und vorzeitig gealtert zurück: nach Hiddesen bei Detmold, wo er schon vor seiner Deportation Zuflucht gefunden hatte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.08.2003
Manfred Fuhrmanns Biografie des jüdischen Theatermannes Hans Kaufmann ist für den begeisterten, wenn auch erschrockenen Rezensenten Gustav Seibt die "Lebensbeschreibung eines nicht gewöhnlichen, aber eben auch nicht seine Epoche überragenden Mannes" und erhellt auf erschütternde Weise "eine ganze Zeit in ihrer monströsen Außergewöhnlichkeit", nämlich die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Fuhrmann, so der Rezensent, fungiert in diesem "historiografisches Kleinod" als Zeitzeuge, der Kaufmanns Werdegang sowie das intellektuelle Klima des gebildeten Judentums beschreibt, und dessen Zeugnis in die erschütternde Frage mündet: "Wozu sind Kultur und Bildung gut?" Fuhrmann, erklärt der Rezensent, begreift sein Werk ausdrücklich "als Beitrag zu den jüngsten künstlich aufgeputschten Antisemitismus-Debatten der Feuilletons", in denen "Humanität" zumeist zum "Lippenbekenntnis" gerät.
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