Das Deutsche Demokratische Reich
Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2025
ISBN
9783608966671
Gebunden, 288 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
In seinem Buch bietet Volker Weiß eine tiefgehende und historisch fundierte Zeitdiagnose zur AfD und der extremen Rechten. Er enthüllt, wie die extreme Rechte von dem Ziel getrieben ist, den westlichen Liberalismus zu überwinden und eine alternative Geschichtsdeutung durchzusetzen. Mit neuen Details und einer Analyse der rechten Gegenerzählungen seziert der Autor die neurechte Szene. Die extreme Rechte spricht von einem geistigen Bürgerkrieg, der in Deutschland tobe - und den sie gleichzeitig anheizt. In diesem Kampf geht es um nichts weniger als um die Deutungshoheit über Geschichte und Gegenwart, um Deutschland aus dem Westen herauszulösen. Die widersprüchlichen, verklärenden und oft schrillen Geschichtskonstruktionen der extremen Rechten weisen auf ein Ziel: ein "Deutsches Demokratisches Reich" als Synthese aus den autoritären Systemen der deutschen Vergangenheit. Mit seinem Buch knüpft Volker Weiß an sein Buch "Die autoritäre Revolte" an und analysiert diese neuen Methoden der kulturellen Kriegsführung vor allem in den Feldern der Geschichts- und Geopolitik. Rechtzeitig zur anstehenden Bundestagswahl zeigt der Historiker die aktuelle Entwicklung des neuen rechten Denkens auf. Die wichtigsten Strömungen und Akteure werden hierbei untersucht, und immer wieder weitet der Autor den Blick hin auf vergleichbare Aktionen der rechten Milieus in Russland und den USA.
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Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 22.02.2025
Rezensent Ulrich Gutmair lobt den großen Kenntnisreichtum und die Differenziertheit, mit der der Historiker und Experte für "neurechte Theoriebildung" Volker Weiß in seinem Buch die Geschichtsklitterung von Rechts analysiere. Deutlich wird für den Kritiker dabei, wie nah sich AfDler, Putin und Trump in den entsprechenden Verfahren stehen; allen voran der Umschreibung und Neuinterpretation von bekannten Begriffen - ein Verfahren, das "ironischerweise" einst als revolutionäre Dekonstruktion von Macht galt und mittlerweile von der "Gegenrevolution" angeeignet wurde, wie Gutmair bei Weiß liest. Wie dieser sich ausführlich etwa mit dem vermeintlichen "Sozialismus" der Nazis auseinandersetzt, ein "Taschenspielertrick" mit eigener Tradition, der erst kürzlich auch von Alice Weidel angewendet worden sei, findet Gutmair höchst aufschlussreich. Auch, wie sich Neonazis über das Feindbild des "dekadenten westlichen Liberalismus" (Weiß) über die einstige Erzfeindschaft hinweg mit Russland verbrüdern, wisse der Autor treffend zu analysieren. So lege der Historiker überzeugend und facettenreich - auch rechte Denker wie z.B. Dimitrios Kisoudis werden herangezogen - dar, wie von Rechts eine falsche Vergangenheit erfunden werde, um diese idealisieren zu können. Für den Kritiker ein präzises und äußerst dringliches Buch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.02.2025
Sehr aufschlussreich findet Rezensent Ronen Steinke Volker Weiß' Thesen über rechte Geschichts- und Kulturpolitik. Weiß zeigt laut Steinke auf, dass rechte Vordenker genau wissen, wie mithilfe kulturell wirksamer Erzählungen die politische Stimmung zu ihren Gunsten zu beeinflussen ist. Auf die im Buch bearbeiteten Beispiele geht der Rezensent näher ein: auf die historisch betrachtet überraschende Russophilie der Rechten in Zeiten des Ukrainekonflikts, auf die Umdeutung des Nationalsozialismus als eine linke Bewegung sowie auf rechte Ostalgie, die eine Gesellschaft verherrlicht, die nicht durch die 68er-Bewegung "verdorben" wurde. Insgesamt zeigt Weiß, dass rechte Publizisten wie Jürgen Elsässer und Götz Kubitschek strategisch denken und gedanklich erstaunlich beweglich sind, findet Steinke, Insofern ist das eine wichtige Publikation, dem lediglich der schwer deutbare Titel des Buches missfällt, schließt Steinke.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 17.02.2025
"Subversive Resignifikation" nennt der Historiker Volker Weiß in seinem überzeugenden Buch die Strategie, mit der die Rechten die Geschichtsschreibung in ihrem Sinne umdeuten wollen, erklärt Rezensent Nils Schiederjann, insbesondere stehen dabei die DDR, der Nationalsozialismus und das Verhältnis zu Russland im Vordergrund. So zeige Weiß ein bis heute uneindeutiges Russlandbild - einerseits biete der Ukrainekrieg die Chance, die Niederlage des Zweiten Weltkriegs gegen Russland umzukehren, andererseits bestehe die Möglichkeit, sich gemeinsam gegen den verhassten Westen zu verbünden. Ähnlich grotesk mutet die Umdeutung eines DDR-Friedensliedes an, das von erklärten Antikommunisten gekapert wird, um gegen Russland-Sanktionen zu protestieren, lesen wir. Schiederjann hätte sich noch gewünscht, dass der Autor sich auf die Suche nach Gründen macht, warum so viele den Rechten anheimfallen, lobt ihn aber insgesamt dafür, wie sorgfältig er herausgearbeitet hat, dass es den Geschichtsverdrehern vor allem um Macht geht.