Für seine Geschichte der Bilder, hin zum Bild als autonomen Kunstwerk in der Moderne, legt Beat Wyss drei Erklärungsmodelle für Sinnkonstruktion übereinander: Charles S. Peirce' Semiotik, Sigmund Freuds Psychoanalyse und Niklas Luhmanns Systemtheorie. Auf diese Weise kommen die Bilder in ihrer Geschichtlichkeit zu ihrem Recht. Trotzdem bleibt die Wahrheit in den Bildern Verhandlungssache. Das Bild ist Partitur für gemeinsame Deutungsarbeit. Der zweite Band, als reiner Tafelband, macht diese Geschichte augenfällig.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.06.2006
Andreas Strobl hält das Buch für eine Enttäuschung. Zum Einen, weil Beat Wyss sein selbst formuliertes Ziel, die Bilderkunst aus neuer Perspektive zu betrachten, nicht erreicht, zum Anderen, weil die Liebe des Autors zur Bricolage den Lesegenuss deutlich mindert. Dabei fängt alles so gut an: Die versuchsweise Kombination von Semiotik, Psychoanalyse und Systemtheorie zur Bestimmung des Kunstbegriffs in seiner historischen Dimension, das "flotte Formulieren", die griffigen Überschriften. Doch die wissenschaftlichen Anforderungen werden nicht ausreichend erfüllt. Den semiotischen Anspruch etwa findet Strobel in der Analyse der kunstgeschichtlichen Bildbeispiele nicht eingelöst und das bloße Referieren von Originaltexten nicht hilfreich. Im Vergleich zu wirklich bedeutenden kunstwissenschaftlichen Büchern, warnt Strobl, wirke das Buch wie ein durchzappter Abend vor der Flimmerkiste.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2006
Keine leichte Kost findet Niklas Maak in dieser Arbeit des Kunsthistorikers Beat Wyss, der Peirces Semiotik, Freuds Psychoanalyse und Luhmanns Systemtheorie zu einem neuen Erklärungsmodell für Sinnkonstruktion in der Kunst verschränken will. Doch die Mühe der Lektüre lohnt sich, versichert der Rezensent. Er jedenfalls zeigt sich begeistert über die "erstaunlichen Blicke in den Talkessel der Bildgeschichte", die das Buch ihm bietet. Er erweist sich als kunsthistorisch versierter Rezensent, der die nicht ganz leicht zu fassenden Theorien von Wyss detailliert nachzeichnet. Das Werk im Ganzen betrachtet er als aufregende Geschichte der Kunstautonomie, die zum Beispiel Fragen wie diesen nachgeht: Wie wurde zu Kunst, was wir Kunst nennen? Was sieht man, wenn man Kunst anschaut? Wird ein Bild erlebt oder gelesen? Maak hält fest, dass das Buch wie eine Grundlagenvorlesung zu Bildformeln, Kunsttheorie und Methodenstreitigkeiten aufgebaut ist und gelehrt Auskunft über elementare Diskussionen des Fachs gibt.
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