Wie leben wir mit der Geschichte? Brauchen wir eine Kultur des Erinnerns? Wie weit geht unsere Verantwortung, und wie weit reicht unsere Solidarität? Wie verändert sich das Recht, und wohin entwickelt sich die Rechtsprechung? Können wir Christen bleiben, wenn uns der Glaube verlorengeht? Ausgehend von vertrauten Begriffen, alltäglichen Erfahrungen und gesellschaftlichen und politischen Konflikten erkundet Bernhard Schlink erzählerisch anschaulich komplexe Themen von bleibender Aktualität.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2015
Friedrich Wilhelm Graf hat Bernhard Schlinks Essays zu Recht und Moral mit Interesse gelesen. Graf erkennt bei Schlink durchaus einen gewissen Hang zur Dogmatik, lernt aber bei dem ehemaligen Richter und emeritierten Jura-Professor zum Beispiel, dass der Übergang zu einer kasuistischen Rechtssprechung am Bundesverfassungsgericht immer häufiger zu einem "Moment der Beliebigkeit" führe. Irritiert folgt er Schlinks Berichten von einer neuen "Kultur des Denunziatorischen" an den Universitäten, in der heutige moralische Maßstäbe auf Denkwelten der Vergangenheit angelegt würden und liest - mit einigem Zweifel - die Überlegungen des Autors zum "solidarischen Opfer", das er auch auf durch künstliche Befruchtung entstandene und nicht eingesetzte Embryonen ausweitet. Die "klugen" Kanzelreden Schlinks hat der Rezensent mit Gewinn gelesen.
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