Aus dem Englischen von Eva Bonné. Pennsylvania, im Jahr 1815: Der einfache, gutherzige Maultierzüchter Cy Bellman findet keine Ruhe mehr, seit er in der Zeitung von einer unglaublichen Entdeckung gelesen hat. Um seinem Traum nachzujagen, bringt er das größte Opfer und lässt seine 12-jährige Tochter Bess in der Obhut ihrer ruppigen Tante zurück. Während Bess auf sich allein gestellt zur Frau wird, erlebt Bellman im tiefen Westen ein Abenteuer, das sich völlig anders entwickelt als erwartet.
Tanya Lieske zeigt sich begeistert von Carys Davies' Debütroman. Wie die Autorin Western und Bewusstseinsroman miteinander verbindet, atmosphärisch Bilder von Prärie, weitem Himmel und Planwagen evoziert und dann doch das Genre ganz anders deutet, um vom Spleen eines gen Westen ziehenden Don Quichote und seiner Tochter zu erzählen, findet Lieske kühn und poetisch zugleich. Sprachlich überzeugt sie der Text durch eine Präzision, durch die es gelingt, die Würde des tragischen Helden zu bewahren.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.06.2019
Bislang hat sich die walisische Schriftstellerin Carys Davies als Autorin von Kurzgeschichten hervorgetan, mit "West" legt sie nun ihr spätes Romandebüt vor, stellt Rainer Moritz fest. Darin erzählt sie die Geschichte von Cyrus Bellman, einem verwitweten Maultierzüchter aus Pennsylvania, der im Jahr 1815 in der Zeitung über den Fund riesiger Knochen liest und sich daraufhin auf die Suche nach den imposanten Tieren macht, fasst der Rezensent zusammen. Bellman wird von einem kundigen Indianer namens "Alte Frau aus der Fremde" begleitet, während seine zehnjährige Tochter Bess in der Obhut seiner Schwester verbleibt und sich den Nachstellungen des aufdringlichen Nachbarn erwehren muss, referiert Moritz, den die bizarre Geschichte mit ihren denkwürdigen Protagonisten, ihrer perfekten Konstruktion und dem virtuosen Wechsel zwischen realistischem und "verhalten mythischen Tonfall" in ihren Bann geschlagen hat.
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