Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Was ist ein Herkunftsort? Was bedeutet überhaupt "Herkunft"? Was bedeutet es, ein Erbe anzutreten, wenn die Vergangenheit verstummt? Was verbindet Generationen, wenn das Schweigen herrscht? Eine junge Frau steht auf einem Bahnsteig und wartet auf ihren verspäteten Zug. Sie will nach Osten reisen, nach Polen, in jene Stadt, die ihre Großeltern mit ihrem Vater einst verlassen hatten. Sie begibt sich auf die Suche nach der Vergangenheit, als das Gedächtnis des Vaters und die Erinnerung an Vergangenes allmählich verblassen, mit dem Ziel, eine Antwort zu finden - doch worauf? Mehrere Stimmen begleiten sie auf ihrer Reise: Stimmen aus der Vergangenheit, aus ihrem Inneren, aus dem Unbekannten? Über diese Geschichte fliegt die mysteriöse Figur der Schneeeule.
Rezensent Michael Opitz bewundert Cecile Wajsbrot dafür, wie sie in ihrem autobiografischen Roman über Erinnerung und Vergessen schreibt. Anhand einer Zugreise der Protagonistin nach Polen und mittels monologischer Passagen, die immer wieder von geisterhaften Stimmen unterbrochen werden, erzählt die Autorin laut Opitz von Pogromen und von der Flucht und vom Verdrängen der Elterngeneration. Beeindruckend scheint Opitz, wie die Grenzen von Zeit und Wahrnehmung im Text transzendiert werden.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 28.07.2023
Rezensent Dirk Fuhrig versteht Cecile Wajsbrots autobiografischen Roman als gewaltiges "Erinnerungs-Kunstwerk". Sprachlich vielschichtig und kraftvoll (laut Rezensent auch in der Übersetzung von Holger Fock und Sabine Müller) reflektiert der laut Fuhrig entlang einer Zugfahrt nach Polen konstruierte Text monologisch Fragen der Erinnerung an den Holocaust. Es geht um Gedächtnis und Gedächtnisverlust, so Fuhrig. Das autobiografische Moment transzendiert der Roman mit nicht näher bestimmten zusätzlichen Stimmen und historisch Verbürgtem, erklärt er.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…