Herausgegeben von Peter Herde. Martin Luther ist in fünf Jahrhunderten zu einer fast mythischen Gestalt der Geschichte verklärt geworden. Volker Leppin nähert sich dem Wittenberger Reformator aus neuer, ungewohnter Perspektive: Luther wird weniger als impulsiver Neuerer beschrieben, sondern mehr als Mensch, der sich nur langsam von seinem mittelalterlichen Erbe löst. Keine schlagartige Bekehrung steht am Anfang, kein wuchtiger Thesenanschlag, sondern eine Stück für Stück erfolgende Umwandlung seines Denkens. Selten erscheint Luther hier als Gestalter seines Umfeldes. Meist ist er der Getriebene, von seinen Gegnern zur Radikalität provoziert, von Anhängern in Nöte gebracht, und immer wieder auch: der Einsame, der 1521/22 auf der Wartburg die Ereignisse beobachtet und kommentiert, der auf der Coburg festsitzt, während seine Gefährten auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 um das Schicksal der Reformation kämpfen. Und der gerade darin seine wahre Größe zeigt. Diese neue Sicht lässt uns hinter dem historischen Denkmal einen menschlicheren Luther erkennen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.02.2007
Dorothea Wendebourg hat zwei ganz unterschiedliche Bücher zu Martin Luther gelesen und auch ihre Urteile stehen sich diametral entgegen. Der gewichtige Band von Volker Leppin will mit neuen Forschungsergebnissen glänzen und scheitert vielleicht gerade deshalb, vermutet die Rezensentin. Der Autor verfolgt dabei den Versuch, Martin Luther möglichst lange als Mensch des Spätmittelalters zu zeichnen, der erst in seiner Wirkungsgeschichte zum großen Reformer der Kirche wurde. Diese Sichtweise lässt sich allerdings nur aufrechterhalten, wenn die Quellen lückenhaft oder verfälscht ausgewertet werden, beschwert sich die Rezensentin. Leppin mache in seiner Lesart Luther zu einem getriebenen Menschen, der seine ungeheuren Neuerungen beinahe unfreiwillig auf den Weg gebracht habe. Dabei entstehe nicht nur ein enorm "kleinkariertes" und dabei sachlich nicht immer richtiges Luther-Bild, der Persönlichkeit dieser wichtigen Figur der Kirchengeschichte komme der Autor zudem auch nicht näher, die Antriebskräfte für sein Wirken blieben im Dunkeln, so Wendebourg unzufrieden.
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