Claire Thomas

Die Feuer

Roman
Cover: Die Feuer
Carl Hanser Verlag, München 2022
ISBN 9783446272972
Gebunden, 256 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Eva Bonné. Während in den Bergen Buschfeuer wüten, sehen drei Frauen in Melbourne ein Beckett-Stück. Die Literaturprofessorin Margot hadert mit der Entfremdung von ihrem Sohn und ihrer Ehe mit dem dementen John. Ivy, Kunstmäzenin und Margots ehemalige Studentin, wird von den Verlusten in ihrer Vergangenheit eingeholt. Und Summer, Schauspielschülerin und Platzanweiserin im Theater, schwankt zwischen der Sorge um ihre Geliebte in der Feuerzone und Fragen zu ihrer Herkunft. Als sich die drei in der Pause begegnen, wird dies ihre Sicht auf sich selbst und auf ihre Umwelt für immer verändern.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.04.2022

Rezensentin Carola Ebeling schätzt die "herausfordernde" Erzählsituation, die Claire Thomas in ihrem Roman wage: Drei Frauen, die sich Becketts "Glückliche Tage" im Theater ansehen und dabei in je eigene Gedankenwelten abdriften; jede auf ihrem Platz, nur in der Pause begegnen sie sich einmal. Wie Thomas dabei die durch das Stück ausgelösten Assoziationsketten in den Köpfen der Figuren - eine 70-jährige Literaturprofessorin, ihre 40-jährige ehemalige Studentin und Mutter, und eine 22-jährige umweltbewusste Schauspielschülerin - motivisch miteinander verbinde, hält die Kritikerin für gelungen. Interessant findet sie die in den "Gedankenspiralen" verhandelten Themen (Kindesverlust, Klimakatastrophe, die eigenen Vorurteile) und ist den Frauen von Beginn an ganz nah - auch dadurch, dass der öffentliche Raum Theater hier mit seinem geschützten Platz im Dunkeln einen Raum für Intimität eröffne, wie sie analysiert. Ein "komplexer" Text, der trotz ernster Themen im Ton nie "leidend" gerät, lobt Ebeling.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2022

Rezensentin Eileen Kelpe empfindet mit Claire Thomas' zweitem Roman die Ambivalenz nach, die im Leben mit alltäglichen Sorgen und der Klimakrise entsteht. Angestoßen von einer Becket-Aufführung reflektieren drei Theaterbesucherinnen ihre individuellen Probleme und Hürden, während draußen als offenkundige Konsequenz der Klimakrise die Feuer wüten, resümiert Kelpe. Die Rezensentin staunt, wie Thomas in der Verschmelzung aus Kunst und Realität die  Psychologie der Frauen ausleuchtet und dabei die Belanglosigkeit ihrer Gedanken angesichts des größeren Kontexts entlarvt. Auch wenn sie bedauert, dass die Autorin zeitweise zu viele gesellschaftliche Debatten an den Protagonistinnen abarbeitet, bleibt für Kelpe das Klimathema im Fokus und macht ihr bewusst "wie entflammbar die Zivilisation ist".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.02.2022

Rezensentin Manuela Reichart scheint fasziniert von Claire Thomas' gekonnter Verbindung einer Aufführung von Becketts "Glückliche Tage" mit drei Frauenschicksalen im heutigen Melbourne. Wie die drei sehr unterschiedlichen Frauen im Publikum das Geschehen auf der Bühne mit ihrem eigenen Leben abgleichen, Erinnerungen und Ängste wälzen und existenzielle Fragen stellen, wirkt auf Reichart alles andere als bemüht, sondern klarsichtig und mitreißend. Auch der Umstand, dass Thomas keine Antworten gibt, sondern die Leserin vor allem teilhaben lässt am Gedankenprozess der Figuren gefällt der Rezensentin gut.

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