Aus dem Französischen von Therese Benkert. Inès Bayards neuer Roman über eine Frau, deren Welt aus den Fugen gerät - mitten in Berlin Steglitz. Leni Müller lebt an der Seite ihres Architekten-Mannes in Berlin ein Leben ohne Ziele und Träume. Als Kommissar Ziegler bei den Müllers auftaucht, um sie - zumindest behauptet er das - als Zeugen für einen Schusswechsel im Kiez zu befragen, gerät Lenis Welt komplett außer Kontrolle. Die Männer zwingen sie auf die Straße. Leni entwickelt ein Eigenleben.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.09.2023
Rezensentin Lara Sielmann liest mit "Steglitz" einen Roman - oder vielleicht besser noch: eine Novelle - über eine Frau, die sich nichts mehr wünscht als Ruhe, Ordnung, Gleichförmigkeit - die völlige Abwesenheit von Ereignissen. Dieser Wunsch ist ihr auch zunächst erfüllt. Bis die Ereignisse sich plötzlich häufen, überschlagen und sie wohl oder übel mit ihrer Vergangenheit, ihrer Herkunft konfrontiert wird - den Urgründen jenes Traumas, aus dem ihr großes Bedürfnis nach Ungestörtheit und Unsichtbarkeit resultiert. Inès Bayard erzählt von diesem bröckelnden bürgerlichen Frauenleben auf konzise, teils ins Surreale tendierende Weise und nicht ohne eine gewisse Komik. Die Traumatisierung der Protagonistin als Ursprung ihres Wunsches nach einem geordneten Leben, wird dabei völlig klar. Und doch, schreibt Sielmann, "entzieht" sich die Figur der Leserin, bleibt psychologisch ungreifbar, genau wie viele der nur angedeuteten Brüche in ihrem Leben. Ist das als Kritik zu verstehen oder als Lob? Einen Hinweis gibt vielleicht der folgende letzte Satz, indem die Rezensentin den Text als "feinsinnig wie intensiv" bezeichnet. Mit Ausrufezeichen!
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