Aus dem Französischen von Sophie Beese. Auf einer Fahrt in die Tropen, kurz hinter den Azoren richtet die Besatzung eines Containerschiffs eine ungewöhnliche Bitte an die Kapitänin: Sie möchten hier, auf dem offenen Meer, schwimmen gehen. Das hat es noch nie gegeben. Zu ihrer eigenen Überraschung lässt die Kapitänin es zu. Sie bleibt allein auf dem Schiff, mit all den Zweifeln, ob sie das Richtige entschieden hat. Werden die Männer zurückkommen? Das Schiff wird immer langsamer, ein mysteriöser Nebel kommt auf. Wieso kann die Kapitänin auf einmal das Herz des Schiffes schlagen hören? Und warum drängt sich ausgerechnet jetzt ihr Vater in die Erinnerung, der einst selbst zur See fuhr und seit einer Überfahrt kein Wort mehr sprach?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.12.2022
Rezensentin Marie Schmidt jubelt über diesen "schmalen, charismatischen" Roman der französischen Dramaturgin Mariette Navarro. Das Debüt handelt von einer Kapitänin, die sich mit einem Frachter und 20 Mann (!) Besatzung auf den Weg nach Guadeloupe macht. Als sie der Besatzung einen Badeausflug genehmigt, ist Schluss mit der Harmonie zwischen der freundlichen Chefin und ihren folgsamen Boys - das machten die Phantasien der Protagonisten klar, von denen die auktoriale Erzählstimme berichtet. Wenig mehr lasse sich sagen, worum es in dem Roman geht, schreibt die Rezensentin begeistert. Erst recht nicht, als es an Bord plötzlich einen Mann mehr gibt: Ein "surrealistisches Rätsel", so Schmidt. Dass das Politische unterbelichtet bleibt, ist für sie nur konsequent, denn Navarro könne sich deshalb auf das Bruno-Latoursche Theorem der gleichberechtigten Phänomene von Technik und Natur konzentrieren - um mit einer Vaterfigur dem Roman noch eine zusätzliche Dimension verleihen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.08.2022
Rezensentin Sigrid Brinkmann ist gefesselt von Mariette Navarros Geschichte eines Handelsschiffes und seiner Besatzung, die sich unversehens dem offenen Meer ausgesetzt sieht. Von mentalem Kontrollverlust auf hoher See erzählt Navarro zunächst durchaus technisch, warnt Brinkmann. Doch was dann folgt, raubt der Rezensentin den Atem. Vom existenziellen Taumel im Tiefwasser berichtet die Autorin laut Brinkmann mit Poesie, unter Verwendung von Mythen und Legenden, aber auch präzise genug, um die Leserin anzuregen und aufzuwühlen.
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