Claude Simon

Das Pferd

Cover: Das Pferd
Berenberg Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783946334170
Gebunden, 164 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Ein französisches Dragonerregiment bezieht in einer finsteren Regennacht Quartier in einem nordfranzösischen Dorf und wird zum Zeugen des langsamen Sterbens eines verletzten Armeepferdes. In der Agonie des Tieres und in seinen großen Augen spiegelt sich die Apokalypse des Krieges in einer fast intimen Szenerie. Die Soldaten, der Erzähler und Maurice, der Jude, der weiß, was kommen wird, versuchen, in der Dunkelheit der Regennacht ihr eigenes Schicksal zu ergründen. Claude Simons Erzählung von 1958 führt mitten hinein in das thematische Universum des Nobelpreisträgers: das französische Debakel im Zweiten Weltkrieg und das Schicksal des in deutsche Gefangenschaft geratenen Kavalleristen Claude Simon.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.09.2017

Dieses kleine Meisterwerk des französischen Schriftstellers Claude Simon hat Rezensentin Susanne Mayer eines der wunderbarsten "Leseerlebnisse" dieses Jahres beschert. Denn die erstmals 1953 erschienene Novelle, die die Sinnlosigkeit des Krieges am Tod eines Militärpferdes durchspielt, ist nicht nur raffiniert gebaut und pointenreich geschrieben, sondern steckt auch voller kleiner Bonmots über das Begehren, schwärmt die Kritikerin. Und dass die versierte Übersetzerin Eva Moldenhauer Simons harte Schnitte zwischen Poesie und "Reportage-Stil" brillant ins Deutsch überträgt, stimmt die Rezensentin rundherum glücklich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.07.2017

Rezensent Jospeh Hanimann ist Claude-Simon-Kenner und -Liebhaber, das ist nicht zu überlesen. Simons nun im Berenberg Verlag erschienene und "fabelhaft" übersetzte Erzählung "Das Pferd" ist eine Vorarbeit zu "Die Straße in Flandern" und hat es geschafft, den Rezensenten zu überzeugen. Obwohl ihr die erzählerische Brillianz, die der Autor in seinem Roman von 1960 entwickelt, noch fehlt, so Hanimann, nimmt sie den Leser im"vieldeutigen Dunkel" ihrer Welt gefangen. Sie lässt ihn die Enge und die Kälte spüren und das Tappen der Pferdehufe im Schnee hören, verspricht der schaudernde Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2017

Rainer Moritz hält die späte Veröffentlichung von Claude Simons im Original 1958 erschienener Erzählung für eine kleine Sensation. Raffiniert strukturiert scheint Moritz der konzentrierte Text, der den zweitägigen Aufenthalt eines gegen die deutschen Besatzer kämpfenden Regiments in einem nordfranzösischen Dorf umkreist. Den Höhepunkt der Erzählung, die Schilderung des qualvollen Todes eines Pferdes, findet Moritz grandios, von komplexer Syntax und mit verblüffenden Bildern. Meisterlich scheint ihm, wie der Autor plane Psychologismen meidend experimentiert, ohne seinen Fokus, das Grauen des Krieges, zu vernachlässigen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2017

Rezensent Ulrich Raulff preist die 1958 erschienene, nun auf Deutsch vorliegende Erzählung von Claude Simon als Keimzelle von Simons späteren Texten wie "Akazie" oder "Jardin des Plantes". Raulff erkennt das Motiv der unschuldig leidenden Kreatur im Text wieder, doch nicht so sehr als Empathiesignal, sondern als Teil eines Stillebens, das den Moment zwischen Leben und Tod als Augenblick letztgültiger Schönheit heraufbeschwört. Die taktvollen Sätze, mit denen der Autor laut Raulff den Tod des Tieres beschreibt, wirken auf den Rezensenten mit ihrem Rhythmus eher "erritten" als erschrieben.

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