Taschenbücherbrief

Taschenbücherbrief Oktober 2025

Die besten Taschenbücher des Monats Von Alice Fischer
26.10.2025. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Und das beste: Einmal im Monat kommt die Liste jetzt als "Taschenbücherbrief"! Mit einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucherin Alice Fischer.
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Herbstzeit ist Lesezeit! Gut, dass der Taschenbuch-Oktober einige Highlights bereithält, mit denen regnerische Tage wie im Flug vergehen: Mit großer Spannung erwartete die Kritik Salman Rushdies Buch "Knife" über das Attentat auf ihn im Jahr 2022, bei dem er ein Auge verlor und nur knapp mit dem Leben davonkam: Die Zeit sang eine Hymne auf dieses "warmherzige" Buch, das nicht nur den Tathergang in nervenaufreibender Manier erzählt, sondern außerdem eine kluge Reflexion über Traumata und die Selbstheilungskräfte des Körpers darstellt. Die FAZ war schwer beeindruckt von der pointierten Erzählweise dieses "literarischen Meisterwerks", aber fast noch mehr vom Humor, mit dem Rushdie den Hass des Attentäters kontert. Taz, Dlf und SZ stimmten euphorisch in das Lob mit ein.

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Es ist vielleicht das Buch mit dem längsten Titel, das jemals mit dem renommierten Wilhelm-Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet wurde: "Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne" von Sasa Stanisic sorgte bei der Kritik sowohl für Nachdenklichkeit als auch für prächtige Unterhaltung. Ausgehend von einer Träumerei von vier Migrantenkindern, lässt Stanisic in zwölf Geschichten seine Helden auf die Suche nach dem Glück gehen. Hier geht es um Sehnsucht, um Racial Profiling, Nirvana und Nazipanzer - aber auch um Heidelberg und Heinrich Heine. Die FAZ staunte über die Scharfsinnigkeit, mit der der Autor die Probleme der vier Jugendlichen in in Deutschland seziert. Die SZ bewunderte Stanisics Sprachkunst und die FR fühlte sich zutiefst inspiriert: ein komplexes, virtuos komponiertes Spiel, mit viel Witz und literarischer Courage, jubelte sie.

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Zwar spielt Davide Coppos Roman "Der Morgen gehört uns" in den Zweitausender Jahren - die Frage, die ihn hier beschäftigt, ist aber gerade heute wieder äußerst relevant. Warum üben rechte Bewegungen so eine große Anziehungskraft gerade auf junge Menschen aus? Coppo blickt nach Mailand, wo sein Protagonist Ettore, ein labiler junger Mann, unter Einsamkeit und Perspektivlosigkeit leidet - und so empfänglich wird für die Ideologie der Federazione, einer faschistischen Jugendorganisation. Die NZZ empfahl eine berührende "Anatomie der Radikalisierung", die sich klug an das Thema herantastet. Die SZ war begeistert von dieser hervorragend recherchierten Geschichte über den Wandel eines Jungen zum rechtsradikalen Schläger und die Welt lernte Wissenswertes über den italienischen Postfaschismus.

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Große, begeisterte Aufmerksamkeit wurde außerdem Thomas Meyers neuer "Hannah Arendt" - Biografie zu Teil, die laut Kritik Zeug zum neuen Standardwerk hat. Die SZ staunte über Meyers "sensationelle" Quellenfunde, die zum Beispiel Arendts Engagement in der zionistischen Jugend-Alijah beleuchten und die Rettung hunderter jüdischer Kinder vor den Nationalsozialisten bezeugen. Welt und taz bewunderten, wie Meyer gerade Arendts Exil-Jahre 1933 bis 1941 als prägend für ihr späteres Werk zu schildern weiß. Und auch die Zeit war hin und weg von diesem völlig neuen Blick auf Arendts Leben und Werk. 











Persönliche Empfehlung von Alice Fischer zu Dana von Suffrins "Nochmal von vorne"

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In Rosas Telefon sind gleich sechs Nummern ihrer Schwester Nadja eingespeichert: drei deutsche, eine slowenische, eine israelische und sogar eine österreichische - und keine davon funktioniert. Das ist typisch für Nadja, aber ungünstig, denn Rosa muss die Schwester, mit der sie schwer zerstritten ist, über den Tod des Vaters der Familie Jeruscher informieren. Witzig und rasant erzählt uns Dana von Suffrin in ihrem Roman "Nochmal von vorne" von den Ereignissen rund um den Tod von Mordechai Jeruscher, dem die traurigen Gedanken Zeit seines Lebens schneller kamen als die glücklichen. Der Verlust reißt bei Rosa alte Wunden auf und schwemmt Erinnerungen an die Oberfläche, die sie lange unter Verschluss gehalten hat: Sie führt uns durch die tragischen, komischen und absurden Momente einer deutsch-jüdischen Familiengeschichte zwischen München und Tel Aviv und erzählt uns mit bissigem Humor und melancholischem Trotz von den Wunden, die die blutige Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts schlug und die noch immer heilen müssen. Sie erzählt aber auch die Geschichte einer großen, ganz unwahrscheinlichen Versöhnung. Fazit: Dana von Suffrin beschert uns hier eine hochneurotische, sehr fantasievolle und in jedem Fall empfehlenswerte Lektüre. 

Die Liste der Taschenbücher des Monats Oktober finden sie bei unserem Buchladen eichendorff21.

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