Klappentext
Die dramaturgischen Neuerungen bei der Inszenierung von Politik waren in den letzten Jahrzehnten, nochmals beschleunigt durch die Covid-Pandemie, umfassend. Parteien inszenieren personalisierte Veranstaltungen, bis hin zu Parteitagen, seit Jahren nicht mehr nur vor anwesendem Publikum, sondern trimmen sie auch auf massenmediale Vermittlung. In dem Buch widmet sich der Autor den Reden zum Politischen Aschermittwoch der CSU, die in der Forschung bislang wenig beleuchtet worden sind, obwohl die Veranstaltung, auch jenseits Bayerns und über Parteigrenzen hinweg, zu den bekannten politischen Veranstaltungen zählt. In der Analyse ausgewählter Reden wird ein Schwerpunkt auf darstellungspolitische Ausführungen und sprachliches Entscheidungshandeln gelegt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2025
Ein paar interessante Dinge zieht Rezensent Timo Frasch schon aus Daniel F. Nagls Buch über die politischen Aschermittwochsreden, insgesamt fällt seine Rezension jedoch verhalten aus. Das liegt unter anderem daran, dass Nagl so lange braucht, bis er bei den drei hier analysierten Reden - von Franz Josef Strauß im Jahr 1978, von Edmund Stoiber im Jahr 2003 und von Markus Söder im Jahr 2018 - ankommt, vorher muss sich Frasch durch eine Menge kommunikationswissenschaftlicher Begrifflichkeiten wählen. Klar, das hier ist nun einmal eine Doktorarbeit, meint Frasch, dennoch verfehlt Nagl seinen Gegenstand ein wenig, von der bierseligen Atmosphäre, die die Reden unterfüttern, ist im Buch wenig zu spüren. Die selbstgestellte Aufgabe, die Differenzen zwischen den drei Reden zu beschreiben, meistert Nagl recht gut, findet der Rezensent. Jedenfalls, teilt uns Frasch nach der Lektüre mit, argumentierte Strauss noch ziemlich komplex und gründlich, Stoiber war rhetorisch weniger versiert und Söder verlegte sich weitgehend aufs argumentfreie Raunen. Außerdem fällt Frasch mit Nagl auf, dass viele Themen selbst aus der Strauss-Rede heute noch aktuell sind, etwa die Klagen über Bürokratie. Frasch vermisst ein wenig eine Analyse der speziellen Form von Öffentlichkeit, die die Aschermittwochsreden herstellen - sie müssen von alkoholisierten Zuhörern vor Ort goutiert werden, werden danach aber auch medial weiterverbreitet. Insgesamt scheint dieses Buch dem Rezensenten etwas zu nüchtern und auch jargonlastig geraten zu sein.