Aus dem Französischen von Hans Magnus Enzensbeger. Die Marschallin de Broglie, fromme Katholikin, und der glaubenslose Philosoph Crudeli versenken sich in ein Gespräch über den Sinn der Religion. Worauf lohnt es sich im Diesseits zu verzichten für eine etwaige Belohnung im Himmel? Was würde sich ändern, legte man den Glauben ab? Denis Diderots heiteres Schelmenstück gibt hierauf glücklicherweise keine Antwort, sondern vermisst leichtfüßig, doch mit Tiefe, das Terrain; der aufklärerische Zweifel ist unumkehrbar gesät.
Denis Diderot (1713-1784) hat diese heiter-ernste Unterhaltung nur unter Pseudonym veröffentlichen können, er musste die politische Sprengkraft des aufklärerischen Schelmenstücks im Ancien Régime fürchten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2018
Rezensentin Claudia Mäder stürzt sich mit Freude in den von Denis Diderot ersonnenen, aus Vorsicht vor der Zensur seiner Zeit einem gewissen Thomas Crudeli in den Mund geschobenen Dialog mit der Marschallin de Broglie. Was Diderot darin anno 1774 gegen die christliche Ordnung ins Feld führt, hat's laut Mäder in sich. Hier der gottlose Crudeli, dort die gläubige Marschallin, dazwischen wird für Mäder deutlich, was Diderot von atheistischer Amoral und christlicher Doppelmoral hielt. Witzig und brisant und in der Übertragung von Hans Magnus Enzensberger einfach wunderbar lesenswert, findet Mäder.
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