Täglich gibt es in der Presse neue Ratschläge zum richtigen Essen und Trinken. Dass der Umgang mit Ernährung ein historischer Lernprozess ist, stellt Detlef Briesen in seiner Geschichte der Ernährung und der Genussmittel wie Tabak und Alkohol vom 18. Jahrhundert bis heute dar. Erstaunlich ist, wie unterschiedlich die Entwicklungen im Laufe der Jahre und in den einzelnen Ländern waren - die Spannbreite reicht von der staatlichen Prohibition in den USA bis zur Lebensreformbewegung in der Weimarer Republik. Briesens Studie macht bewusst, dass es angesichts der globalisierten Lebensmittelindustrie unerlässlich ist, die Menschen zum reflektierten Umgang mit den Verlockungen des Massenkonsums zu befähigen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.05.2010
Sehr anregend fand Robert Jütte offenbar Detlef Brieses vergleichende historische Abhandlung zur Gesundheitsprävention in Deutschland und den USA der letzten 200 Jahre, allerdings hat er auch manches schmerzlich vermisst. So ist ihm der Rückblick in die antike Diätetik zu knapp ausgefallen und die "Temperenzbewegung" in Deutschland, die sich für Alkoholverzicht einsetzte, wird dem Rezensenten im Gegensatz zu ähnlichen amerikanischen Initiativen zu wenig beachtet. Zudem beklagt Jütte, dass der Autor die Gesundheitsvorsorge der DDR vollständig ausgeklammert hat, zumal er diesem Ausschluss nicht weiter begründet, wie der Rezensent kritisiert. Trotz all dieser Einwände aber findet Jütte die Geschichte der Gesundheitsbewegungen dennoch insgesamt recht gelungen, und er nimmt daraus vor allem eine Erkenntnis mit, nämlich, dass die Gewissheiten von gestern, was gesund und richtig ist, morgen bereits als Irrtümer erkannt werden können.
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