Bearbeitet von Christine Fabian und Uta Rössel unter Mitwirkung von Ralf Behrendt und anderen. Der Luxemburger EWG-Kompromiss und Frankreichs Austritt aus den Kommandostrukturen der NATO sowie die Forderungen Großbritanniens und der USA nach vollem Devisenausgleich für ihre in der Bundesrepublik Deutschland stationierten Truppen gehörten zu den zentralen Themen der Kabinettsberatungen des Jahres 1966. Komplizierte Passierscheinverhandlungen, die Fragen rund um einen Redneraustausch zwischen SED und SPD und die Befürchtungen einer möglichen Anerkennung der DDR prägten die innerdeutschen Beziehungen. Rückläufiges Wirtschaftswachstum und erste Anzeichen einer Rezession waren weitere Herausforderungen für die Bundesregierung. Im Streit um die Regulierung steigender Haushaltsdefizite zerbrach im Herbst die christlich-liberale Koalition. Der Rücktritt Erhards ebnete den Weg für die erste Große Koalition unter Kiesinger.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2010
Bei der Lektüre der Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1966 wird Rezensent Andreas Rödder zum Zeuge des Endes der Gründungsphase der Bundesrepublik. Zugleich kann er Entwicklungen erkennen, die das Land bis heute prägen. Deutschland- versus Entspannungspolitik, Erhard versus Ostblock, Haushaltskrise, Krise der CDU/CSU/FDP-Koalition, der EWG, oder das Scheitern der Bonner Friedensnote vom 25. März - all dem kann Rödder mit dem von Hartmut Weber für das Bundesarchiv herausgegebenen Band beiwohnen. Die enthaltenen Kommentierungen und Anhänge dazu findet er sachkundig und informativ.
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