Mein Weg als Deutscher und Jude

Wallstein Verlag, Göttingen 2024
ISBN
9783835356535
Gebunden, 192 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Wassermanns beklemmende Bekenntnis- und Weckschrift aus dem Jahr 1921, jetzt neu ediert und umfangreich kommentiert von Dierk Rodewald - eine erhellende Lektüre in unserer politisch wirren Zeit. "Ich weiss nicht, ob ich Ihnen von diesem Versuch einer Selbstbiographie erzählt habe, 'Mein Weg als Deutscher und Jude' ist der Titel; es war eine wichtige Sache, die mir wie Eisenlast monatelang auf der Brust lag, bis ichs endlich herunterschrieb. Sie werden es ja bald lesen. Wenn es nur hundert Köpfe in Deutschland zur Besinnung bringt, hat es schon seine Schuldigkeit getan." So schrieb Wassermann am 1. Dezember 1920 an den Schauspieler Hans Aufricht. Das Buch wurde eine Bekenntnis- und Anklageschrift, worin der damals berühmte Romanautor berichtet, wie ihm immer aufs Neue das Gefühl gegeben wurde, dass er als 'Jude' nicht 'deutsch', als 'Deutscher' nicht 'Jude' sein könne. Wassermann erzählt dabei von Erfahrungen auch gerade mit Wohlmeinenden, die ihm seine Selbsteinschätzung 'Deutscher und Jude' bestreiten wollten, verbunden mit Argumentationsmustern, die heute nicht nur von rechter oder rechtsradikaler, sondern auch von 'bürgerlicher' Seite her wieder zu hören sind. Wassermann schreibt ausführlich und detailliert, in neutraler Diktion, doch nicht ohne die Ursache anzuprangern, die für ihn "der deutsche Haß" war. Gedacht war die Schrift, die nun, reich kommentiert und mit vielen Dokumenten, neu vorgelegt wird, als Weckruf - der vergeblich blieb.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 01.02.2025
Ein wichtiges Buch, auch für die aktuelle Diskussion, sieht Rezensent Tilman Krause in Jakob Wassermanns Memoir "Mein Weg als Deutscher und Jude" aus dem Jahr 1920. Der Kritiker findet hier einen Text vor, geprägt von "so beklemmender Verzweiflung", dass ihm beim Lesen manchmal "der Atem stockt". Wassermann sah es quasi als seine Mission an, Deutsche und Juden zu versöhnen, und konnte es nicht fassen, dass es die Deutschen nicht schafften, ihre Vorurteile zu überwinden, erinnert Krause. Eine Diktion, die schon auf Wassermanns Zeitgenossen etwas antiquiert wirkte und eine "verschwärmte Gefühlsbetontheit" prägen den Text, in dem Wassermann die lebenslange Zurückweisung durch seine deutschen Zeitgenossen beschreibt, so der Kritiker. Betont "subjektiv" ist diese Perspektive und Krause sieht sich hier durchaus an aktuelle identitätspolitische Debatten erinnert - so führen Wassermanns Lebensberichte vor Augen, wie tief die Verletzung durch das "Gefühl von Nichtzugehörigkeit" sitzen kann - und erinnern daran, dass auch "Privilegierte" von heute nicht vergessen sollten, dass das nicht immer von außen sichtbar ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.10.2024
Eine wichtige Wiederentdeckung ist die Autobiografie des Schriftstellers Jakob Wassermann laut Rezensent Matthias Arning. Wassermann, rekapituliert Arning die Lebensgeschichte des Autors entlang der Lektüre, wurde 1873 geboren, in Fürth, er fühlte sich zeitlebens einerseits als Deutscher, andererseits als Jude. Er hatte eine Vorliebe für historische Sujets, unter anderem verfasste er einen Roman über Caspar Hauser, für ihn ein durch und durch deutscher Stoff, das Publikum verstand das Buch allerdings aus Wassermanns Sicht falsch, so Arning. Immer wieder weise Wassermann auf die Vorurteile gegen Juden hin, auf die Weigerung vieler Deutschen, Juden als Deutsche zu akzeptieren - eine Sicht, die Thomas Mann, mit dem Wassermann korrespondierte, nicht teilte. Insgesamt ein relevantes Buch auch noch lange nach seiner Erstveröffentlichung, schließt der Rezensent, ein Buch, das etwas in den Lesern bewirken wolle.