Bis heute ist die Einschätzung verbreitet, dass der Rekurs auf Marx - und zumal auf dessen Kritik der politischen Ökonomie - in Adornos Werk ein Relikt aus bald überwundenen Stadien seiner Theorieentwicklung darstelle. Anhand einschlägiger, zum großen Teil bislang unpublizierter Textdokumente widerlegt Dirk Braunstein diese These und zeigt, dass im Zentrum von Adornos Kritischer Theorie der Gesellschaft eine Kritik nicht nur der politischen Ökonomie steht, sondern eine von Ökonomie überhaupt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.05.2011
Dirk Braunstein möchte in seiner Studie hinter dem Gesellschaftstheoretiker Theodor W. Adorno den Denker der Ökonomie entdecken. Er liest dazu Texte zum Warenfetischismus und greift, wie der Rezensent Volker Heins betont, oft auf nicht veröffentlichtes Archivmaterial zurück. Rein exegetisch ist das Buch dabei nicht. Vielmehr versuche Braunstein auch zu zeigen, wie sorglos Adorno gelegentlich argumentiert, wie unscharf er manche Begriffe verwendet und wie falsch er in der Identifizierung der Kulturindustrie mit der Dosensuppenproduktion und allen anderen Zweigen der kapitalistischen Wirtschaft liegt. Für die Begriffe des Rezensenten gelingt dem Autor sein Vorhaben: Den Hinweis auf die Herkunft vieler Thesen Adornos aus der Ökonomie findet Heins durchaus fruchtbar.
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