Dieser Band versammelt haarsträubende Reise-, aberwitzige Lügen- und tragikomische Liebesgeschichten, die Kästner zwischen den frühen Zwanzigerjahren und der Nachkriegszeit schrieb. Viele davon erschienen nur in Tageszeitungen und liegen jetzt erstmals in einem Buch vor. Es zeigt sich, dass die Form der Erzählung für Erich Kästner ein Experimentierfeld war, das er höchst unterhaltsam zu durchmessen wusste. Dabei gibt es einen bisher unbekannten Kästner zu entdecken, der neue Erzählweisen ausprobiert, überraschende Töne anschlägt und eine ungeahnte Ausgelassenheit an den Tag legt, die das Lesen zu einem wahren Abenteuer macht.
In "Der Herr aus Glas" sind jetzt zahlreiche Gelegenheitsarbeiten Erich Kästners versammelt, die er für Zeitungen und Magazine verfasste, berichtet Claus-Ulrich Bielefeld. Die frühesten Geschichten sind häufig noch sehr moralisch, später hat Kästner seine Sozialkritik dann mit Ironie etwas bekömmlicher gemacht, erklärt der Rezensent. Gemein ist allen Geschichten ein melancholischer Unterton, und immer wieder variiert Kästner das Motiv des Scheiterns an den Ansprüchen der Welt, das dann meist von einem leisen Abtreten und Verschwinden gefolgt ist, fasst Bielefeld zusammen, für den diese Erzählungen auf besondere Weise die Stimmung in der Weimarer Republik anschaulich machen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.11.2015
Ganz fabelhaft findet Rezensent Hilmar Klute diesen von dem Germanisten Sven Hanuschek herausgegebenen Band mit zweiundvierzig teils unbekannten Erzählungen Erich Kästners. Der Kritiker, der bisher den Eindruck hatte, Kästner gut zu kennen, wird hier immer wieder überrascht: Als literarischer Großunternehmer erscheint der Autor dem Rezensenten hier, der nicht nur wunderbare groteske Humoresken, sondern auch ernste Sozialstudien und zarte Psychogramme in jeweils ganz eigenem Tempo verfasste. Allein die Geschichte eines jungen Metallarbeiters, der einen Aufenthalt in einem Luxusaufenthalt gewinnt und von den anderen Hotelgästen so lange gedemütigt wird bis er sich das Leben nimmt, hat Klute ausgesprochen beeindruckt. Darüber hinaus liest er hier nicht nur Kästners herrlich selbstironische "Briefe an mich selber", sondern erfährt auch Aufschlussreiches über die Kästnersche Poetologie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2015
Großes Lesevergnügen verspricht Rezensent Hans-Jürgen Schings mit der Lektüre dieser Erzählungen von Erich Kästner. Zwar wundert sich der Kritiker warum der Herausgeber von hundertvierzig Erzählungen nur diese zweiundvierzig ausgewählt hat, freut sich dann aber doch, dass vor allem jene aus den Zwanziger und Dreißiger Jahren berücksichtigt werden, die laut Schings zu Kästners besten Stücken gehören. Während der Rezensent in späteren Erzählungen die Pointen des Autors vermisst, sie gelegentlich auch zu angestrengt und "sperrig" findet, sind die frühen Kurzgeschichten hinreißend komisch, berührend und herzzerreißend. Bei so viel Witz verzeiht der Kritiker auch gern mangelnde Tiefe und politische Korrektheit.
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