Die Tötung von 1,5 Millionen Kindern durch die Nationalsozialisten gehört zu den grausamsten, unbegreiflichsten und emotional belastendsten Ereignissen in der Geschichte der Menschheit. Trotzdem fanden diese Kinder bisher wenig Beachtung. Ihnen widmet sich dieses Buch. Ausgangspunkt ist ein Gedenkvorhang aus 1,5 Millionen farbigen Glasperlen. Um das Leben der ermordeten Kinder sichtbar zu machen, verfassten Angehörige aus der Schweiz elf Texte über solche "Perlenkinder". Sie stehen im Zentrum des Gedenkbands. Drei ergänzende Texte der Historikerinnen Iris Ritzmann und Barbara Schwindt sowie des Historikers Daniel Goldstein thematisieren die systematische Ermordung von Kindern in der Zeit des Nationalsozialismus, den Kinderalltag im Ghetto Lodz sowie die Vernichtung von Kindern im Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek. Neben Fotografien des Perlenvorhangs, die zum Gedenkgebet (hebräisch Jiskor) einladen, werden Werke von Eve Stockhammer reproduziert, die sich mit der Schoa und dem Kindermord auseinandersetzen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2025
Dieser Band versammelt Texte von elf Autoren über elf Schicksale von jüdischen Kindern, die in der NS-Zeit von den Nazis ermordet wurden. Die Beispiele ähneln sich, lernt Rezensent Urs Hafner: Schon vor der Deportation leiden die Kinder, während ihre Familien verzweifelt versuchen, sich angesichts des antisemitischen Terrors in Sicherheit zu bringen, schließlich landen sie in den Lagern. Das Buch fügt sich laut Hafner ein in ein Gedenkprojekt der Herausgeberin Eve Stockhammer, die beteiligten Autoren stammen aus dem Umfeld Stockhammers und sind akademisch in Bereichen wie Theologie und Pädagogik situiert. Manches an dieser Zusammenstellung wirkt willkürlich, insgesamt, so Hafner, genügt das Buch weder streng wissenschaftlichen noch streng literarischen Ansprüchen. Aber die Lektüre ist ihm so nahe gegangen, dass er über all dies hinwegsieht.
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