Das Getto Lodz hatte aufgrund seiner speziellen Geschichte der Fokussierung auf Arbeit - auf der einen Seite als zu nutzender, auszubeutender Produktionsfaktor für das "Deutsche Reich" und auf der anderen Seite als lebensrettende Maßnahme für das Überleben der Gettobevölkerung - eine besondere Stellung inne, die zur Entstehung umfangreicher fotografischer Bestände diverser Protagonist_innen beitrug. Polizisten, SS-Angehörige und zivile Funktionäre waren im Getto mit der Kamera unterwegs, da sie an der fotografischen Herausstellung ihrer Erfolge ebenso interessiert waren wie der "Judenrat", wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Ferner dokumentierten jüdische Fotografen heimlich all das, was sie für die Nachwelt für überlieferungswürdig hielten. Dieses umfassende Engagement hat zu einem fotografischen Gesamtbestand von über 16.000 Aufnahmen beigetragen. Das führt zu der Frage, wie mit diesem einzigartigen Konvolut umzugehen ist: Auch wenn die Aufnahmen aufgrund ihrer Erinnerungsfunktion sehr gefragt sind, ist die Nutzung von Medium und Material ambivalent, waren doch Anlässe, Interessen und Motivationen zu fotografieren unterschiedlich, wie der vielfältige und disparate Fundus der überlieferten Aufnahmen zeigt.
Rezensent Wilfried Weinke lobt das Buch der Sozialwissenschaftlerin Tanja Kinzel. Der Autorin gelingt es mit ihrer Arbeit zu den Fotobeständen aus dem Getto Lodz laut Weinke, den Blick auf das Getto zu weiten. Differenziert arbeitet Kinzel für Weinke die Entstehungskontexte der Fotos heraus, stellt die Fotografen und Fotografinnen vor, deutsche Besatzer, Militärs, Bildberichterstatter und die teils für den Judenrat arbeitenden jüdischen Fotografen, und analysiert deren Perspektiven. Die Fotos dokumentieren Gewalt, Hunger und Tod, aber auch die Werkstattarbeit und die Selbstdarstellung der Funktionäre, meint Weinke. Den Band mit seinen qualitativ hochwertigen Abbildungen hält der Rezensent für eine unschätzbare Ergänzung der Fach- und Erinnerungsliteratur zum Getto Lodz.
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