1980 entsteht in Polen die freie Gewerkschaft Solidarność. DDR-Staatschef Erich Honecker plädiert dafür, sie mit allen Mitteln zu bekämpfen und ist notfalls bereit, sich an einer militärischen Intervention der Warschauer-Pakt-Staaten zu beteiligen. Filip Gańczak analysiert detailliert alle Schlüsselentscheidungen der DDR-Führung, die nach dem August 1980 im Zusammenhang mit der Lage in Polen getroffen wurden. Die erste von ihnen war, an der Grenze zur Volksrepublik Polen einen "Cordon sanitaire" zu errichten. Auf Druck der Sowjetuntion wurde zudem entschieden, zur Beruhigung der Lage in Polen wirtschaftliche Hilfen zu gewähren - mit wenig Wirkung. Folglich drängte die ostdeutsche Führung auf eine gewaltsame Lösung der "polnischen Krise". Das Ausbleiben der Entscheidung Moskaus für einen Einmarsch in Polen veranlasste Erich Honecker nach Alternativen zu suchen, wie die "Konterrevolution" im Nachbarland zu unterdrücken sei.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2020
Rezensent Hermann Wentker entdeckt nichts unbedingt viel Neues in Filip Ganczaks Dissertation über die Haltung der DDR gegenüber der polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc. Dass sich der Autor politikwissenschaftlich orientiert auf das Handeln der SED-Führung konzentriert und polnische wie DDR-Quellen "gründlich" auswertet, findet Wentker gleichwohl verdienstvoll, auch wenn der Autor bereits bekannte Erkenntnisse nur bestätigt. Neue Akzentuierungen, etwa bezüglich differierender Meinungen von Mielke und Honecker betreffend den Einsatz des Militärs, kann der Autor aber dennoch setzen, räumt der Rezensent ein.
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