Am Anfang der Dienstleistungsgesellschaft stand eine Utopie: Dienstleistungsarbeit werde den Weg der Lohnarbeit von einer proletarischen Beschäftigung zum Garanten wirtschaftlichen Aufstiegs, sozialer Identität und politischer Stabilität weisen. Doch Dienstleistungen wie Sorgen, Säubern und Service sind gekennzeichnet durch Niedriglohn und Grundsicherung, Minimalstandards wohlfahrtsstaatlicher Versorgung. Der Traum vom Aufstieg ist hier ausgeträumt. Auf der Basis von zahlreichen Interviews, Beobachtungen und Diskussionen wird deutlich, dass in den "einfachen" Diensten Arbeits- und Lebensformen entstanden sind, die auf eine neue Form von "Proletarität" ohne Proletariat verweisen. Friederike Bahl stellt den Menschen und seine Selbstverortung in den Mittelpunkt ihrer Studie und zeigt: Wo und wie wir uns im gedachten Ganzen situieren, beeinflusst immer auch die Formation einer Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2015
Die von der Soziologin Friederike Bahl hier veröffentlichte Einzelstudie lässt Morten Freidel die Arbeit von Putzkräften und Postzustellern, Discounterangestellten und anderen Dienstleistern mit anderen Augen sehen. Wie von Günter Wallraff scheint Freidel das, was Bahl zusammenträgt, so nüchtern wie alarmierend. Wenn er über die Selbstverantwortlichkeit oder auch Scheinautonomie betroffener Arbeitskräfte liest, wie sie unter ökonomischem Druck dauernd an der Grenze der Belastbarkeit arbeiten und Pfusch zur systemerhaltenen Größe wird, fühlt sich Freidel wie in einem Roman von Dickens. Die unfreiwillige Komik der von Bahl gesammelten Gesprächsprotokolle erschüttert den Rezensenten, schließlich handelt es sich um gesellschaftliche Realität, nicht um Literatur.
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