Herausgegeben von Jürgen Lodemann. Ein Zeitzeugnis: Am Ende seines Lebens, 1965, versucht ein ehemaliger NSDAP-Mann - jahrelang Blockleiter in Essen an der Ruhr - eine Antwort zu finden auf die Frage: Wie konnte ich nur bei denen mitmachen? Und er streitet nichts ab. Weder, dass er Nazi war, noch, dass die Nazis unsägliche Verbrechen begingen. Den Söhnen hinterliess er 1965 diesen Erinnerungsversuch. Vor 1933 war es die Not der Arbeitslosigkeit gewesen und die weltweite Finanzkrise, die den Bauernsohn und mehrfachen Familienvater zum "Mitmachen" trieb.
Rezensent Hermann Theissen hinterlässt seine Leser etwas ratlos. Eine Reflexion des einst begeisterten Nazis Friedrich Lodemann, eine Distanzierung von seiner Vergangenheit kann er darin nicht erkennen. Auch kein ehrliches Erschrecken über die NS-Verbrechen, wie der herausgebende Sohn annimmt. Für die Verbrechen waren in Lodemanns Augen "Hitler und seine Mordbande" verantwortlich, alle anderen Nazis waren eigentlich anständige "Prachtkerle". Und wenn man vom Morde an den Juden gewusst hätte, wären die NSDAP-ler allesamt auf die Barrikaden gegangen! Rezensent Theissen bezeichnet dies als vorsichtig eine "die Realität ignorierende Hybris". Auch einen Hang zu antisemitischen Theorien behält Lodemann in seinen Aufzeichnungen bei. Man bedauert, dass Theissen kein deutlicheres Urteil über dieses Buch fällt, das er als ziemlich verquere Auslassungen eigentlich eines ewigen Nazis darstellt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.03.2009
Einen trifftigen Grund für die (späte) Veröffentlichung dieser Lebensgeschichte eines überzeugten Nationalsozialisten durch den Sohn kann Rudolf Walther nicht erkennen. Um historische Aufklärung, findet Walther, ist es weder dem Verfasser noch dem Herausgeber zu tun. Das "ganz normale Leben" als NSDAP-Mitglied und Blockwart, das Friedrich Lodemann in seinen Erinnerungen festhält, das Gerede vom Verrat an den eigentlichen Idealen des Nationalsozialismus (Kameradschaft, Gemeinschaft) und die Opferpose irritieren den Rezensenten. Für Walther klingt das nach Schutzbehauptungen beziehungsweise "grenzenloser politischer Naivität". Das Schweigen von Vater und Sohn angesichts der im Weltbild des Autors sich abzeichnenden Widersprüche (so in puncto Rassenlehre), ist Walther unbegreiflich.
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