Herausgegeben von Burghard Dedner unter Mitarbeit von Arnd Beise und Eva-Maria Vering. Text bearbeitet von Burghard Dedner und Thomas Michael Mayer. Nach dem bewährten Muster der bisherigen Bände der Marburger Ausgabe wird jetzt erstmals eine historisch-kritische Ausgabe von Büchners Lustspiel "Leonce und Lena" vorgelegt. Der Band bietet die handschriftlich überlieferten Fragmente als Faksimiles und in zeilengerechter Umschrift sowie als emendierte Texte; danach den in doppelter Überlieferung vorliegenden Lustspieltext in synoptischer Form, als emendierten Text und in quellenbezogener Darstellung. Der Editionsbericht stellt den thematischen Zusammenhang des Werkes sowie die Entstehungsgeschichte dar und begründet in einer ausführlichen Diskussion sämtlicher substantieller Überlieferungsvarianten die editiorischen Entscheidungen im Detail. Eine Quellendokumentation verzeichnet vollständig und übersichtlich die Quellenabhängigkeiten. Umfangreiche Stellenerläuterungen erklären u.a. eine Vielzahl bislang unverständlicher Stellen und unbekannter Anspielungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2004
Mit "Leonce und Lena" ist nun der sechste Band der historisch-kritischen Marburger Ausgabe von Georg Büchners Werken, ediert im Auftrag der Mainzer Akademie und gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundes- und dem Hessischen Landesministerium, erschienen. Sie hat den Bund der zwei Herausgeber Burghard Dedner und Thomas Michael Mayer glatt gesprengt, berichtet traurig Alexander Kosenina. Mayer habe versucht, die Auslieferung mit juristischen Mitteln zu verhindert, weil seiner Ansicht nach die Ausgabe noch fehlerhaft sei. Stimmt schon, seufzt Kosenina, aber Fehler dieser Art - er erwähnt zwei Spitzklammern, die nicht fett gedruckt wurden - sind unvermeidbar und "gefährden niemandes Ruf". Kosenina ist mit dem Band durchaus zufrieden: Akribisch nähere sich diese Edition auf der Grundlage zweier Abschriften (derjenigen von Büchners Geliebter Wilhelmine Jaegle, 1838 abgedruckt von Karl Gutzkow im Journal "Der Telegraph", und einer zweiten von Büchners Schwester Louise, posthum herausgegeben vom Bruder Ludwig) dem Originaltext. Alle Schichten der Bearbeitung, befindet er, werden in der neuen Ausgabe "in jeder wünschenswerten Klarheit" sichtbar, und für die erste Szene werde in Paralleldruck noch das Faksimile einer Handschrift geliefert. Auch "relevante Passagen aus den Hauptquellen" würden umfänglich reproduziert. Die von Büchner möglicherweise übernommenen Stellen seien dabei grafisch hervorgehoben. Der "üppige" Kommentar von Arnd Beise zeigt, so der Rezensent, "wie diese scheinbar arglose Posse von messerscharfen Invektiven, punktgenauen philosophiekritischen Sticheleien und politisch exakt kalkulierten Despektierlichkeiten nur so wimmelt".
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