An Werken von Heine, Büchner, Immermann, Stendhal, Keller und Flaubert untersucht Dorothee Kimmich unterschiedliche Modelle der Interferenz von Geschichte und Literatur. Auffallend sind die Radikalität und die Konsequenz mit der hier der Textualität von Geschichte begegnet wird. Diese "Entdeckung", die meist der philosophischen und literaturtheoretischen Entwicklung des 20. Jahrhunderts zugeschrieben wird, erweist sich in den hier untersuchten Werken in unerwarteter Weise vorbereitet. Während die zeitgenössische Historiographie die Probleme von Kohärenz, Kausalität, Linearität, Teleologie zwar durchaus diskutiert, aber selten konsequent umsetzt, sind diese Themen in vielen bedeutenden literarischen Texten umfassend, variantenreich und überraschend innovativ repräsentiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2002
Oliver Jungen ist beeindruckt von dieser kulturpoetisch ausgerichteten Habilschrift. Welche wissenschaftshistorischen Potentiale unter Betonbezeichnungen wie "Positivismus" oder "Historismus" schlummern, hat ihm die Autorin mit ihrer nach den Regeln des new historicism angegangenen "unorthodoxen Relektüre" kanonischer Texte zeigen können. Auf die Frage, wann und wo eine nichtteleologische Historiographie beginnt, antwortet die Autorin mit der Literatur: mit close readings von Heinrich Heine und Georg Büchner etwa oder - eines der stärksten Kapitel, findet Jungen - mit einer Neubewertung der französischen "Ideologues". Bleibt für den versierten Rezensenten die Fragwürdigkeit der Beschränkung auf "zwei idealtypisch isolierte Funktionsbereiche von Kultur" (Geschichte, Literatur), "sowie die Annahme einer klaren Filiation". Was als These griffig ist, so Jungen, verhindert den Blick auf "ein mögliches, beiden zugrunde liegendes Drittes"; die Codierung der Aufschreibsysteme zum Beispiel.
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