Georg Objartel

Sprache und Lebensform deutscher Studenten im 18. und 19. Jahrhundert

Aufsätze und Dokumente
Cover: Sprache und Lebensform deutscher Studenten im 18. und 19. Jahrhundert
Walter de Gruyter Verlag, München 2016
ISBN 9783110453997
Gebunden, 316 Seiten, 99,95 EUR

Klappentext

Die Studien entwerfen ein neues Bild der historischen deutschen Studentensprache, indem sie authentische In-group-Texte, wie Lieder, Stammbuch-Memorabilien, Briefe und Komments, daneben aber auch Vernehmungsprotokolle und andere universitäre Aktenstücke heranziehen und diese funktional im Kontext der studentisch-akademischen Lebensform interpretieren. Die Schwerpunkte der Analysen liegen einmal auf den gruppensprachlichen Charakteristika einzelner Texttypen, zum andern auf interaktionalen Mustern, die der Regulierung der Beziehungen in der Gruppe dienten, wie 'Beleidigung und Ehrenwahrung' oder 'Brüderschaft trinken'. Dabei wird auch das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit unter verschiedenen Aspekten beleuchtet. Theoretisch-methodisch kommen Sprachhandlungs- und Gesprächsanalyse, Textsorten- und Variationslinguistik sowie Sprachstilistik zum Einsatz. Zentrale Kategorien sind "Interaktionsmuster", "Praktik", "Interaktionsroutine" und "Interaktionsmodell", die Ludwig Wittgensteins Begriff des 'Sprachspiels' nahestehen, hier aber handlungstheoretisch präzisiert und konkret erprobt werden. Insgesamt versteht sich die Arbeit als Beitrag zu einer pragmatisch ausgerichteten Sprachgeschichtsforschung.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 21.05.2016

Matthias Heine lernt allerhand mit diesem Kompendium des Germanisten Georg Objartels. Die Sprache der Burschen, also Studenten und ihr Nachwirken bis heute kann ihm der Autor lebendig und nachvollziehbar darstellen. Die Formen studentischer Kommunikation in Trinkspielen, Liedern und Beschimpfungen erinnern ihn zuweilen an Rap. Der Sinn der Studentensprache liegt für Heine in der Abgrenzung zu bürgerlichen Sprachformen. Wie produktiv und vielgestaltig sie war, erfährt er aus dieser Lektüre, wenn er Wörtern wie krass, fidel oder Canaille wiederbegegnet.

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