George Sand

Nanon

Roman
Cover: Nanon
Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN 9783446284180
Gebunden, 496 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen neu übersetzt und kommentiert von Elisabeth Edl. Revolution ist Männersache? Nein! Denn George Sand, die unkonventionelle, provozierende Frau unter den französischen Klassikern, erzählt es anders: Nanon ist vierzehn, als 1789 die Revolution losbricht und alle Stände niederreißt. Das Bauernmädchen, eine Leibeigene, wird Zeugin und Akteurin in einem der größten Umbrüche der Geschichte. Als Mädchen noch Analphabetin, schreibt Nanon im Alter ihr Leben auf: die packende Emanzipations- und Bildungsgeschichte einer Frau in einem männlich geprägten Jahrhundert. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.12.2025

Rezensent Thomas Steinfeld freut sich sehr über die Neuauflage dieses ursprünglich 1872 erschienen und 1990 erstmalig ins Deutsche übertragenen Romans der ersten großen Schriftstellerin der französischen Literatur. Die titelgebende Ich-Erzählerin und Hirtin erzählt darin chronologisch ihre Lebensgeschichte, die sie als gutmütige Landwirtin beginnt und schließlich als wohlhabende Gutsbesitzerin beendet, resümiert Steinfeld. Dieser Aufstieg gelingt ihr nicht zuletzt durch das reine Gute, das sie verkörpert und nicht nur ihren Tieren, sondern auch einer größer werdenden Menschengruppe spendet, beobachtet der Kritiker, der diesen Zug des Textes als durchaus programmatisch versteht. Abseits dieser Vorbildsfunktion, die die Hauptfigur erfüllt, ist der Roman auch durchzogen von moralischen und politischen Diskussionen, die in ihrer Dichte nur durch das Nachwort der angesehenen Übersetzerin Elisabeth Edl dechiffriert werden können. Dass es dem Roman dennoch gelingt, nicht gänzlich in eine Tugendlehre zu kippen, ist nicht nur Edls rhythmischer Übersetzung zu verdanken, sondern auch ein Verdienst seiner eigenen politischen Brisanz und seines Genre-Mixes, der auch Ausflüge ins Romantisch-Magische bereithält, lobt Steinfeld diesen zurecht neuentdeckten Klassiker.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2025

Was für eine tolle Wiederentdeckung, freut sich Rezensentin Iris Radisch. Und dann noch so glänzend neu übersetzt, wie es Elisabeth Edl schon bei Flaubert und Stendhal getan hat, denen die mutige George Sand sich gleichberechtigt zur Seite stellen kann, wie die Rezensentin versichert. Sand, eigentlich Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil, war eine der ersten Schriftstellerinnen, die von ihrer Arbeit leben konnte. Sie war in jeder Hinsicht Avantgarde, lesen wir. Dieser Roman, ein "echter Pageturner" über die Liebe zwischen einem im Kloster aufwachsenden Waisenmädchen und einem von seiner Familie ebenfalls in Kloster gesteckten Marquis, der als Zweitgeborener für die Familie keinen Wert hat, ist stark von der Naturauffassung Jean-Jacques Rousseaus geprägt. Sand lebte, als sie den Roman schrieb, zwar schon im bürgerlichen 19. Jahrhundert, aber in "Nanon" zeichnet sie ein hübsch pastorales Bild des Lebens im 18. Jahrhundert - bis die Revolution ausbricht und alles verändert, so die hingerissene Kritikerin: Das Bauernmädchen wird Marquise und eine reiche Immobilienhändlerin. Dass der Roman zum Ende hin ausfranst, ist dem frühen Abgabedruck für die Presse geschuldet, erklärt Radisch, ihrem Vergnügen an der Lektüre hat das keinen Abbruch getan.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2025

Jeder kennt George Sands als Zigarre-rauchende und Männerkleidung-tragende "Frauenrechtlerin avant la lettre" - aber wer liest ihre Bücher, fragt Rezensentin Barbara von Machui. Hier gibt es jetzt jedenfalls die Gelegenheit dazu, ein "kraftvolles Frauenporträt" zu entdecken, und zwar in einer Neuübersetzung von der "Doyenne der Literaturübersetzung" Elisabeth Edl, die die Geschichte von "Nanon" außerdem mit einem Kommentar versehen hat. Die titelgebende Hauptfigur ist ein Bauernmädchen, das die Wirren der französischen Revolution durchlebt und einen jungen Novizen kennenlernt, der ihr Gefährte wird, resümiert Machui. Später entwickelt sich das alles zum wendungsreichen Abenteuerroman, bleibt dabei aber stets das starke Porträt einer Frau. Vieles darin erinnert die Rezensentin an die Autorin selbst, die sich ja auch "unerschrocken über alle Widrigkeiten" hinwegsetzte. 

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