In seinen Beobachtungen und Notizen fixiert Günter Kunert skurrile Situationen und gesellschaftliche Paradoxa. Als Skeptiker befragt er die moralischen und politischen Maßstäbe unserer Zeit. Seine Analysen sind der Aufklärung verpflichtet. Die "Nachrichten aus Ambivalencia" sind ausgewählte Stücke aus einer großen Textsammlung, die zwischen den späten siebziger Jahren und 1996 entstand. Die Numerierung der Texte entspricht dem Original und lässt die Auslassungen erkennen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2001
Das Grundbefinden des Autors, so konstatiert Walter Hinck, sei die Zwiespältigkeit, seine bevorzugte Form jene der Momentbetrachtung, der Notiz: "Reflexionen, durch Wahrnehmungen und Einfälle ausgelöst, Miniaturgeschichten", und gegen Ende dieser Auswahl aus drei Jahrzehnten Aufzeichnungen, "zunehmend Kindheitserinnerungen", dazu auch Prosaentwürfe, denen Hinck allerdings nicht die Dichte "wie Max Frischs Keimfassungen" zugestehen will. "Treffend" hingegen findet er so manche der eingestreuten Gleichnisgeschichten, "geistreich" Kunerts Überlegungen zu den neuen Medien.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2001
Zwei Blickwinkel macht der Rezensent aus in diesem Notizbuch des Ex-DDR-Bürgers Kunert: Es gibt den Blick im Zorn von hüben nach drüben über die Mauer (1979-1989), und es gibt jenen "von akuten Affekten gereinigten" zurück in ein Ist-nicht-mehr (1990-2000). Martin Krumbholz weiß es zu schätzen, dass der Autor mit seinen Aufzeichnungen nicht den Eindruck eines Einäugigen vermittelt: Den "Kasernenhof-Sozialismus" entschuldige Kunert niemals, "auch dann nicht, wenn er sich in wirklich hübschen Anekdoten manifestiert". Und: Nach 20 Jahren im Kapitalismus weiß er ebenso "witzig, scharfsinnig, originell" über den fragwürdigen Charakter des Geldes oder den doppelten der Arbeit zu schreiben. Nicht systematisch, wie Krumbholz durchaus nicht nörgelnd feststellt, sondern der Chronologie folgend, "also Launen, Befindlichkeiten, Augenblickseinfällen."
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