Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2004
Hauptkritikpunkt des Rezensenten Gottfried Niedhardt an Hans-Georg Golz' "Verordnete Völkerfreundschaft", eine Studie über Ostberlins Kontaktnahmen mit der britischen Gesellschaft, ist, dass der Autor "sich fast ausschließlich auf deutsche Quellen beschränkt und nie einen Fuß in britische Archive gesetzt hat", denn dadurch bleibe "seine Darstellung über weite Strecken von den recht blutleeren Ergüssen der DDR-Funktionäre geprägt". Ziel der DDR in den sechziger Jahren war es, die Hallstein-Doktrin zu durchbrechen und internationale Anerkennung zu erlangen, schreibt Niedhardt. Im Ausland wurde daher mit "Völkerfreundschaft" geworben und mit "friedlicher Koexistenz". Da Großbritannien schon Ende der fünfziger Jahre "einen gewissen Pragmatismus in den Beziehungen zum Ostblock an den Tag gelegt" hatte, wurde "unter dem etwas sperrig anmutenden" Namen DEBRIG (Deutsch-Britische Gesellschaft der DDR) 1963 eine völkerfreundschaftliche Organisation gegründet, die 1965 in der BRIDGE (Britain-Democratic Germany Information Exchange) ihr britisches Pendant fand, referiert der Rezensent. Irritationen blieben nicht aus, denn auch "linke britische Sympathisanten" seien an ein "demokratisch-pluralistisches Umfeld" gewöhnt gewesen. Einen letzten großen Auftritt hatte die Völkerfreundschaft der DDR beim britischen Bergarbeiterstreik Mitte der Achtziger; doch sei die propagandistische Unterstützung aus der DDR für den "Klassenkampf ?über Tage'" nicht mehr als "Scheinsolidarität" gewesen - denn nebenher habe die DDR Kohle nach Großbritannien exportiert.
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