Mit 23 Abbildungen und einer Tabelle. "Wilde Kinder", vielen Quellen zufolge in frühester Kindheit in die Wildnis geraten, um nach jahrelanger Isolation den Weg zurück in die Gesellschaft zu finden, sind spätestens seit Truffauts "Der Wolfsjunge" einem breiten Publikum bekannt geworden. Weniger geläufig ist jedoch, dass eine ganze, von den Gedanken Defoes, Rousseaus oder Linnes angetriebene Epoche meinte, in ihnen einen Schlüssel zur Natur des Menschen gefunden zu haben: Wilde Kinder wurden zum Kondensationspunkt aufklärerischen Gedankenguts, zu einem zentralen Thema von Presse und Wissenschaftsliteratur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Nachgezeichnet werden Ursprünge und Verlauf jenes gewundenen Pfades, dem Rezeption und wissenschaftliche Funktionalisierung der Fälle folgten, vor allem auch die bislang kaum beachtete naturgeschichtliche Verarbeitung im deutschen Sprachraum. Sie verbindet sich mit Namen wie Schreber, Zimmermann und Blumenbach, aber auch Herder und Kant.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2008
Wenn Hansjörg Bruland in seiner "materialreichen" geschichtswissenschaftlichen Dissertation die aufregendsten unter den Fallgeschichten versammelt, die sich mit Wolfsmenschen befassen, horcht Robert Jütte auf. Wo der Reiz solcher Geschichten lag und liegt, kann Jütte nach der Lektüre besser einschätzen. Dass nämlich mehr als Sensationsgier dahintersteckt. Dass philosophische, biologische oder politische Hypothesen mit diesem Material befeuert wurden. Minutiös und "teilweise spannend" findet Jütte die Instrumentalisierungsbestrebungen über den Zeitraum von zwei Jahrhunderten in diesem Band dokumentiert. Das Interesse an dem Phänomen "Wilder Mensch", ahnt der Rezensent, ist noch nicht erloschen.
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