Live Oak diente im Kalten Krieg zur Bewältigung von Krisen im Zusammenhang mit Berlin. Die geteilte Stadt war in vielerlei Hinsicht entscheidend für die westliche Verteidigung: Die drei Westsektoren galten als Nagelprobe für die Standhaftigkeit der NATO. Gab man West-Berlin auf Druck des Ostblocks auf, verlor die NATO an Glaubwürdigkeit - und die Westmächte mussten eventuell die Erosion des eigenen Lagers in Kauf nehmen. Auf der anderen Seite konnte wegen Berlin kein Krieg riskiert werden, der fast automatisch in die atomare Vernichtung geführt hätte. Um in einer Krise nicht zwischen derart katastrophalen Alternativen wählen zu müssen, schuf man Live Oak. Formal gesehen gehörte diese geheime militärische Organisation nicht zur NATO, sie arbeitete aber eng mit ihr zusammen. Betrieben wurde Live Oak von den drei westlichen Besatzungsmächten und später auch der Bundesrepublik Deutschland. Eine zentrale Aufgabe war die Freihaltung der lebenswichtigen Zugangswege nach West-Berlin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2021
Rezensent Daniel Siemens begrüßt die Studie des Ex-Oberst Harald van Nes über die geheime Einheit Live Oak. Laut Rezensent erstmals ausgewertete Quellen geben dem Buch einen besonderen Reiz, findet Siemens, der hier erfährt, wie sich die politische Situation in Berlin zwischen 1943 und den fünziger Jahren gestaltete, wie sich Live Oak formierte, was ihre Funktion war und wie sie arbeitete. Besonders letzteres kann der Autor als ehemaliger Soldat in der Einheit dem Rezensenten detailreich und lebendig vermitteln. Dass dabei mitunter die Objektivität leidet, stellt Siemens allerdings auch fest. Die Bedeutung der Einheit im Kalten Krieg stellt ihm die Lektüre jedenfalls lebhaft vor Augen.
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