Auch in diesen Jahren ist Kessler oft auf Reisen: Er studiert die Bestände der großen Museen, den Louvre, die National Gallery und die Tate Gallery, den Prado in Madrid. Zahlreich sind die Eintragungen, die dem künstlerischen Leben seiner Epoche gelten, den Sezessions- und Sonderaustellungen, den Begegnungen in den Salons, Kunsthandlungen und Ateliers. Auch hier erweist sich Kessler als glänzender Beobachter und Chronist des gesellschaftlichen Lebens. Berlin und Weimar, wo der Graf die Leitung des Großherzoglichen Museums für Kunst und Gewerbe übernimmt, sind die Hauptschauplätze in Deutschland. Eine Fülle von Namen taucht auf, und fast jede Notiz über eine Begegnung ist ein kleines, farbiges Portrait: Rodin, Monet, Munch, Liebermann und Hauptmann. Wir lesen von Kesslers erster Begegnung mit Hofmannsthal und mit Gide. Deutlich wird die zentrale Rolle, die Nietzsches Philosophie in Kesslers Weltsicht spielt.
Im Perlentaucher:
Rezension Perlentaucher
Harry Graf Kessler (1868-1937) hat Tagebuch geführt. Von 1880 bis 1937. Harry Graf Kessler gehörte zur europäisch-amerikanischen Elite seiner Zeit. Er kannte fast jeden, der in Politik, Wirtschaft und Kultur eine Rolle spielte. Er kannte die, die das Sagen hatten, und er kannte die, deren Bedeutung erst die Nachwelt erkannte. Er war ein Förderer zeitgenössischer Kunst und Literatur, und er war selbst ein Künstler und Literat. Es gibt in Deutschland keinen Autor, dessen Tagebücher mit den seinen zu vergleichen sind. Das hat zwei Gründe: Es gibt keinen Autor, dessen Leben auch nur annähernd mit dem Kesslers zu vergleichen wäre. Kesslers Schriftstellerdasein ging fast ganz in die Arbeit an den Tagebüchern. Hier ist zu beobachten die glückliche, auf fast jeder Zeile anregende Verbindung einer niemals ermüdenden Neugier auf die Welt und ihre Interpretation mit der von der eigenen Wahrnehmungslust begeisterten Formulierungsfreude eines Autors, der zu reich war, um wirklich Schriftsteller zu werden... Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 11.11.2004
Nach Ansicht von Rezensent Volker Ullrich ist der dritte Band dieses "imponierenden Tagebuchwerks" vor allem für Kunsthistoriker eine Fundgrube, da Harry Graf Kessler darin nicht nur ausführlich seine Begegnungen mit den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern beschreibe, sondern auch kunsthistorische Betrachtungen anstelle. Kesslers Beobachtungen werfen Schlaglichter auf die adelige und großbürgerliche Gesellschaft der Jahrhundertwende, doch auch für Nichthistoriker hält der Band aus der Sicht des begeisterten Rezensenten viel Interessantes bereit, etwa Kurzporträts prominenter Zeitgenossen, in denen sich Kesslers scharfe Beobachtungsgabe und schriftstellerisches Talent auf das schönste ergänzen, so der hingerissene Rezensent.
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