Seit dem späten 12. Jahrhundert entstanden in mehreren Ländern Europas Rechtsaufzeichnungen. Dabei handelt es sich um die schriftliche Fixierung von mündlich überliefertem Gewohnheitsrecht. Das bedeutendste deutsche Rechtsbuch ist der Sachsenspiegel, zwischen 1220 und 1235 im Harzvorland entstanden. Seine Wirkung war beispiellos. Erst die modernen Gesetzbücher haben ihn verdrängt. Heiner Lück, Rechtshistoriker und international anerkannter Experte, schildert die Entstehung und stellt den Verfasser Eike von Repgow vor. Er erklärt die damalige Praxis von Gerichtsverfahren und zeigt überraschende Verbindungen zur heutigen Rechtsprechung auf. Sein besonderes Augenmerk gilt den prächtig illustrierten Handschriften. Sie sind ein kulturgeschichtliches Zeugnis ersten Ranges und lassen uns die spätmittelalterliche Gesellschaft lebendig und reich an Details im Bild erleben. Themen-Specials, Porträts historischer Persönlichkeiten, Fotos und Dokumente eröffnen ein weites Panorama der Epoche.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2017
Michael Stolleis, selbst Rechtshistoriker, warnt vor der Unterschätzung des von Heiner Lück in internationaler Zusammenarbeit herausgegebenen Buches. Auch wenn es Lück hier vorbildlich gelingt, den Forschungsstand zu dem womöglich bedeutendsten deutschen Rechtsbuch eingängig und schön illustriert vorzustellen, um ein Coffetable-Book handelt es sich mitnichten, meint Stolleis. Wenn der Laie ebenso Freude daran hat wie der Fachmann, umso besser, findet der Rezensent und lobt den Verzicht auf Fachjargon, doch nicht auf Präzision bei der Erläuterung des Sinn und Zwecks der Rechtsbücher, ihres Verhältnisses zum römischen Recht und zum Kirchenrecht sowie der Unterscheidung von Landrecht, Lehenrecht und Stadtrecht. Auch die mittelalterliche Weltsicht kann Lück dem Rezensenten auseinandersetzen. Die Bebilderung befasst sich mit Rechtsfragen des Alltags, Streitereien um Obst und Vieh, Diebstahl, Hexerei und Gewalt, so Stolleis. Porträts von mit dem Sachsenspiegel befassten Personen runden den Band ab, erklärt der Rezensent.
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