War das Christentum zu Beginn der Neuzeit in Fundamentalfeindschaft zerrissen und Grund schwerer Konflikte, nahm es im Verlauf des 30jährigen Krieges eine Wende zu Frieden und rechtlicher Anerkennung. Es ebnete damit dem pluralen Europa der Gegenwart den Weg. Heinz Schilling nimmt uns mit auf eine eindrucksvolle Zeitreise von der Reformation bis in die beginnende Moderne. Er erzählt anhand zahlreicher Beispiele, wie aus der einen lateinischen Christenheit das multikonfessionelle Europa der Frühen Neuzeit hervorging. Er schildert die Machtkämpfe um das Verhältnis von Politik und Kirche und veranschaulicht, wie diese Konflikte die weltanschauliche Pluralität der Moderne hervorbringen - ein Prozess, der unsere Welt bis heute entscheidend prägt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2022
Rezensent Markus Friedrich fühlt sich durch das Buch des emeritierten Historikers Heinz Schilling über die neuzeitlichen Kirchen dazu angeregt, über die Rolle des Christentums nachzudenken. Als Summe seines Denkens enthält Schillings Text laut Rezensent enormes Wissen und pointierte Thesen zum Konnex zwischen Reformation und der Gegenwart in Europa. Schilling hebt das Schillern des Christentums zwischen Transzendenz und Immanenz, Kirche und Staat hervor und liefert vor allem eine strukturelle Analyse, erklärt Friedrich. "Drängende" Themen wie Mission und Kolonien vermisst der Rezensent im Band.
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