Aus dem Amerikanischen von Monika Schiffer. Nachwort von Arno Gruen. Wie können Menschen unermessliche Qualen, ständige Todesangst, die Ermordung ihrer Kinder und Angehörigen vor ihren Augen, ihre bewusste völlige Erniedrigung in Dreck und Kot ertragen? Welches Zeugnis aber legten die Menschen ab, die diese von Menschen gemachte Hölle überlebt haben? Der amerikanische Literaturwissenschaftler Terrence Des Pres stellt sich vorbehaltlos dem Schmerz der Opfer, indem er mit ihnen empfindet und sich in ihre Lage versetzt. Mehr noch, Terrence Des Pres entdeckt eine nicht zu überwindende Hoffnung, denn am "Überlebenden" scheitert der "Held", an echter Menschlichkeit der täuschende Mythos. Und diesem Heldenmodell hingen alle Ideologen und ihre Mitläufer im 20. Jahrhundert an, nicht selten sogar die Opfer. Anders die Erfahrung des "Überlebenden": Er ist wie alle anderen Mitgefangenen und Mitleidenden auch immer verwundbar, aber nie besiegbar. Es ist Zeit, dass nach den Jahrhunderten der "Heldenmythen" die "Zeugnisse der Überlebenden" endlich vernommen werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.05.2008
Rezensent Ralf Altenhof bespricht eine Studie des 1987 gestorbenen amerikanischen Literaturwissenschaftlers Terrence Des Pres über Überlebende in NS-Konzentrationslagern und stalinistischen Lagern, das 1976 erschien und erst jetzt auf Deutsch vorliegt. Wenn Arno Gruen im Nachwort von einem "epochalen Werk" spricht, scheint sich der Rezensent ohne Abstriche anzuschließen, wenn er auch feststellen muss, dass die Berichte der Überlebenden, aus denen Des Pres ausführlich zitiert, mitunter sehr qualvoll zu lesen sind. Der Autor arbeitet einen Typus des Überlebenden heraus, der weder besonders heldenhaft noch skrupellos ist, sondern der in der Balance zwischen Anpassung und Widerstand besteht, erklärt Altenhof. Was dieses Buch so lesenswert mache, sei die nüchterne und dabei dennoch empathische Darstellungsweise, lobt Altenhof, der lediglich die Einschätzung Des Pres', die Überlebenden würden mit ihren Erinnerungen als Störenfriede empfunden, mit Hinweis auf die "Erinnerungskultur" unserer Tage als überholt ansieht.
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